One night with the captain, Part I

Oder: Rhetorische Fragen, entspannter Pragmatismus und ein Kuss wie eine sanfte Welle

Nein, meine Lieben, heute keine ausgearbeitete Einleitung, keine Bilder, keine Metaphern. Nicht einmal sein Name ist eine Metapher, aber dazu gleich mehr. Ich möchte euch eigentlich nur von einer unerwarteten Nacht erzählen, die zu erzählen sich lohnt. Nicht mehr und nicht weniger. Keine tiefe Bedeutung, keine emotionale Investition, keine in meinem Geist aufsteigenden Bilder – einfach nur guter, harter, unerwarteter Sex. Und vielleicht ist genau das das Gute daran: Dass es zur Abwechslung mal einfach nichts bedeutet, einfach nur gut ist, no strings attached.

Und genau das war bereits die Einleitung: zielführend und pragmatisch – genau wie er.

Aber jetzt… von vorn.


Ablenkung

Es war Freitagnachmittag, ich war seit einem Tag von meiner ersten Campingtour aus Schweden zurück und hatte einen Beitrag angefangen, dem das Herzblut fehlte. Ich wollte schreiben, seit einer Woche bereits wollte ich schreiben. In Schweden verging kein Tag, an dem es mich nicht in den Fingern gejuckt hatte, aber die Ruhe bei diesem Roadtrip hatte gefehlt, weshalb ich schon am dritten Tag mein Vorhaben abhakte, hier schreiben zu können. Es war okay, dafür erlebte ich andere Dinge. Aber das Schreiben fehlte mir, als wäre ich auf einer Safari und hätte permanent zu wenig Wasser dabei.
Als ich anschließend die erste Nacht in meinem Bett verbracht und Schlaf nachgeholt hatte, setzte ich mich an meinen Schreibtisch und begann zu schreiben – über den Roadtrip, über Schweden, wollte in Worte fassen, was diese Woche mit mir gemacht hatte und… alles, was ich spürte, war eine immer stärker werdende Leere. Ich denke, es war eine Mischung aus Herbst/Winter-Depression (oder zumindest ein erster Schatten davon), aus einem klassischen Drop nach all den Eindrücken dieser Erfahrung und aus einem generellen Schwanken meiner emotionalen Stabilität dieses Jahr.

Ich klappte den Laptop zu und setzte mich mit Tee und einem Buch auf die Couch, sagte den Podcast ab, weil es einfach nicht gegangen wäre und stellte mich auf einen ruhigen Abend ein, an dem meine Seele sich ihre inneren Wunden lecken konnte. In diesem Augenblick schrieb Marie: Sie war mit zwei Freunden verabredet – mit einem davon in dessen Wohnung auf ein Glas Wein, anschließend mit dem Plan, in die Bar zu gehen, in der der andere arbeitet. Ob ich nicht mitkommen wolle.

Meine routinierte Frage war: „Single?“

Marie bejahte. Zumindest war einer von beiden Single, den anderen kannte ich bereits. Es war nicht so, dass ich permanent auf der Suche war, aber… ich hatte einfach keinen Nerv für einen Abend mal wieder unter Menschen, die alle vergeben waren, alle ihre Partner zu Hause hatten und ich mein Einzelgängertum noch deutlicher spürte als zu Hause auf meiner Couch. Ich war skeptisch, aber Marie schaffte es, mich aus der Trance zu holen und mich davon zu überzeugen, dass mir ein Abend unter Leuten vielleicht gut tun würde. Ablenkung, rauskommen, Menschen.

Und sagen wir so: Sie würde recht behalten.

Meeting the captain

Eine Stunde später hatte ich geduscht, mich casual angezogen und war (in Sneakern) unterwegs zu der Adresse, die Marie mir gegeben hatte. Es war die Wohnung des Freundes, von der aus man später in besagte Bar gehen würde.
Die Wohnung selbst war im vierten Stock am Stadtrand. Noch beim Treppensteigen dachte ich über das nach, was ich gerade machte. Ich war ganz froh, draußen zu sein und mich abzulenken, aber… ich hatte wirklich keine Erwartungen.
Oben angekommen öffnete mir ein Mann mit einem charmanten Lächeln die Tür. Er war nur wenig größer als ich und in meinem Alter, attraktiv, trug halblange Haare und Bart, war ziemlich lässig gekleidet und wirkte einfach nur unglaublich… entspannt. Ja, „entspannt“ beschreibt seine Ausstrahlung ziemlich gut und irgendwie war es genau das, was mir an diesem Abend gut tat. Mal ganz abgesehen von seinem wirklich charmanten, frech-selbstsicheren Grinsen und seiner im klassischen Sinn coolen Art, die mich tatsächlich anzog.
Wir stellten uns vor, er führte mich in einen verglasten Wintergarten, der im vierten Stock einen unglaublichen Ausblick über die Stadt ermöglichte, und reichte mir ein Glas Rotwein.

Die nächste Stunde verging mit Gesprächen, mit Rotwein und mit sehr viel Lachen. Allein dafür hatte sich der Abend bereits gelohnt. Die Konstellation zu dritt, das entspannte Rumsitzen mit Rotwein ohne Schuhe, der Ausblick auf die Stadt und die lockeren Gespräche hoben meine Stimmung zuverlässig und was zudem die ganze Sache von Minute zu Minute besser machte, war die Stimmung, die sich langsam aber sicher zwischen uns aufbaute.

„Wie war Schweden? Erzähl mal!“, fragte Marie irgendwann.

„Schweden?“, hakte er nach und ich sah ihn an.

„Ja, ich war eine Woche mit Hund und zwei Freundinnen in einem Bulli in Schweden unterwegs.“

Er war begeistert, fragte nach, ich erzählte, er teilte eigene Erfahrungen und dann:

„Ich bin demnächst auch wieder unterwegs. Ich geh wieder segeln.“

Ich horchte auf.

„Segeln?“

„Ja“, er strahlte. Es war ein Strahlen, das mich an mein eigenes erinnerte, wenn ich von der Ostsee spreche, „ich bin für eine Woche mit einer 10-Mann-Gruppe auf einem Segelschiff unterwegs.

„Aber dann braucht mindestens einer einen Segelschein, wenn nicht noch mehr. Und im Grunde braucht es einen Captain, oder?“, ich grinste, während ich redete. Natürlich meinte ich meine Worte ernst, aber ein klein wenig Spaß war durchaus dabei, denn meine Gedanken nahmen bereits eine gewisse Richtung an. In Erwartung, gleich von der Realität gebremst zu werden, wurde ich überrascht:

„Klar. Das bin dann ich.“

„Wie, das bist dann du?“

Er grinste sein charmant-selbstsicheres, lässiges Grinsen.

„Ich hab‘ den Segelschein schon ewig, ich bin regelmäßig auf dem Wasser. Und ich bin dann Kapitän, klar.“

Ich schwieg kurz, gönnte meinen Gedanken einen kurzen Augenblick der Fantasie, meinem Uniform-Fetisch eine kleine Sekunde der hellen Freude. Dann grinste ich ebenfalls herausfordernd und sagte:

„Aber… ein richtiger Captain hat eine Uniform und eine Kapitänsmütze, das ist dir schon klar, oder?“

Ich erwartete einen coolen, spaßigen Spruch. Stattdessen stand er auf, warf mir ein lässiges „warte“ zu und weg war er. Es vergingen nur Sekunden, in denen ich Gelegenheit hatte, Marie mit hochgezogenen Augenbrauen anzusehen, da kam er auch schon wieder – auf dem Kopf eine waschechte Kapitänsmütze.

Fuck.

„Nicht dein ernst, oder?“, lachte ich, in dem kläglichen Versuch, meine Irritation zu überspielen. Es ins Lächerliche zu ziehen, damit er mein (mehr oder weniger metaphorisches) Sabbern nicht sah.

Ja, der Versuch scheiterte auf ganzer Linie. Er merkte es. Natürlich merkte er es. Den Rest der Zeit, die wir noch in seiner Wohnung verbrachten, behielt er sie auf, die Kapitänsmütze, die völlig natürlich an ihm aussah und die irgendetwas Merkwürdiges mit mir machte – es war, als würde er mich gleich an zwei Punkten triggern: Einmal meinen Uniform-Fetisch, den ich schlicht und ergreifend habe, da muss ich wohl keinem etwas vormachen. Aber andererseits auch etwas, das ein klein wenig tiefer sitzt. Nämlich meine neu gefundene Liebe zu großen Gewässern. Meine Sehnsucht nach dem Meer.

Dass wir anfingen, uns vielsagende und lange Blicke zuzuwerfen, machte die Sache nicht unbedingt besser. Oder anders gesagt: Doch, es machte die Sache zu genau dem, was ich gerade brauchte.

Pragmatismus und andere Dinge, die ich liebe

Die Sache mit dem Segeln war nicht das Einzige, was ihn attraktiv machte, wie ich bald herausfinden durfte. Seine Wohnung und das, was ich durch die offene Tür von seinem Schlafzimmer sehen konnte, waren unglaublich stilvoll eingerichtet. Tatsächlich ähnlich wie meine eigene Einrichtung: Pflanzen, dunkle Möbel, indirektes Licht. Ich mochte es sofort und ja, ich liebe es, wenn Männer einen Stil in ihrer Einrichtung haben.

Was mich ebenfalls geradezu begeisterte, war das, was geschah, als ich sagte, dass ich keinen weiteren Wein mehr wollte, weil ich noch nichts gegessen hatte.

„Möchtest du eine Kleinigkeit?“, fragte er sofort.

Ich zögerte.

„Was heißt eine Kleinigkeit? Ich will dir keine Umstände machen.“

„Ach, eine Kleinigkeit eben. Ich hab‘ Brot hier. Warte, ich mach dir was“, ohne meine Antwort abzuwarten, stand er auf und ging in die Küche.

Was ich erwartete, war ein gewöhnliches Brot – ihr wisst schon, mit einer Scheibe Käse oder was auch immer. Nicht falsch verstehen, das wäre nichts Schlechtes gewesen. Es war eben das, was ich erwartete, völlig wertfrei. Was ich allerdings bekam, war ein kulinarisch wertvoll angerichtetes Häppchen: Frisches Brot, in kleinem Häppchen, darauf eine spezielle Sorte Hummus, frische Baby-Blattspinat-Blättchen und darauf einen so perfekt im Aroma dazu passenden Käse, das ich… absolut begeistert war.

Ich liebe es zu kochen, ich liebe es zu essen und ich würde behaupten, dass ein Gefühl dafür habe, ob jemand ein Händchen für Essen hat oder eben nur Gerichte zubereitet, um zu essen. Ich starrte ihn an:

„Oh mein Gott, ist das gut?!“

Er lachte nur.

„Das freut mich.“

Verdammt, war der Typ charmant.

„Nein, im ernst. Das ist… wirklich, wirklich gut. Du kannst gut kochen, oder?“

„Ich hab vier Jahre als Koch gearbeitet.“

Fuck.

Sein ernst?

Ja, ich weiß, auch so eine Sache bei mir.
Ich weiß nicht, wie lächerlich das nach außen klingen mag, aber… ich steh einfach drauf. Es ist nicht nur so, dass ich es einfach generell toll finde, wenn Männer kochen können, es… macht mich tatsächlich irgendwie an. Ich selbst liebe es zu essen und ich bin einfach wirklich ein kulinarischer Genussmensch. Männer, die kochen können, ziehen mich auf einer sexuellen Ebene an. Es spiegelt Selbstständigkeit einerseits, aber andererseits auch Sinn für etwas, zu dem nicht alle Menschen Zugang haben.
So wie manche Menschen eben eher lesen, um sich zu informieren, aber mit guter Literatur nichts anfangen können, so gibt es Menschen, die essen um zu essen, aber nicht aus reinem Genuss und Freude an neuen Geschmackserlebnissen – beides sage ich hier völlig wertfrei, nichts davon sagt etwas über den Charakter eines Menschen aus, aber… für mich sind beide eben ein Thema und dann zu hören, dass ein Mann eben diesen Zugang hat, dass er kochen kann, dass er sogar als Koch gearbeitet hat… ich war mehr angetan, als ich zu irgendeinem Zeitpunkt dieses Abends erwartet hatte.

Und als wäre als das noch nicht genug, kamen wir schließlich auf das Thema Sex. Auf Fetisch-Events, auf BDSM, auf Kink und auf Maries kleine Party am nächsten Abend. Es stellte sich heraus, dass er selbst mit BDSM nur wenig Erfahrung hatte, aber mehr als offen war – um es gelinde auszudrücken. Er fragte nach, er war neugierig, er erzählte von Dingen, die er gern ausprobieren würde und die Gespräche wurden expliziter – genau wie die Stimmung zwischen uns und das Flirten.

„Naja, du könntest irgendwann mal mit zu einem Event…“, schlug ich vor.

„Liebend gern“, war seine schlichte Antwort, „wenn du mich mitnimmst“, er grinste wieder sein charmantes Grinsen.

Es war merkwürdig – der Inhalt seiner Worte klang eher nach dem Wunsch nach passiven Erfahrungen, aber ich nahm keinerlei devote Vibes von ihm wahr. Null. Für gewöhnlich kann ich ziemlich schnell einschätzen, in welche Richtung ich bei jemandem switchen würde, hier war das irgendwie schwerer. Das faszinierte mich. Ich mag es, wenn ich einen Mann nicht sofort einschätzen kann.

„In der Öffentlichkeit bin ich dominant – du müsstest dann machen, was ich sage“, testete ich ihn.

„Jeder Captain braucht eine Frau, die ihm Befehle erteilt, oder?“, feixte er, griff lässig an seine Kapitänsmütze, kippte sie kurz in einer grüßenden Bewegung und grinste mich herausfordernd an.

Ich konnte nicht mehr anders: Ich biss mir auf die Unterlippe, ebenfalls grinsend. Der lange Blick, den wir uns dann zuwarfen, sagte mehr als genug.

„Wollen wir langsam?“, hörte ich irgendwann Marie sagen, die ihr leeres Glas abstellte.
Der Captain und ich waren und einig, dass wir es hier auch ganz nett fanden – keiner von uns schien es eilig zu haben. Nach einer weiteren halben Stunde machten wir uns dennoch auf und verließen die Wohnung. Zu Fuß waren es vielleicht zehn Minuten zu unserem Ziel, kurz vor der Ankunft merkte er an, dass er noch schnell zur Bank müsse.

„Alles klar, geht ihr kurz – ich geh‘ schonmal vor!“, hörte ich Marie, die mir nicht einmal die Gelegenheit gab, mich ihr anzuschließen – natürlich… subtil wie ein Elefant. Ich verkniff mir ein Grinsen und ging mit dem Captain zur Bank. Wir unterhielten uns über dies und das, es war nett, leicht und zugleich trotzdem nicht oberflächlich. Als er die Bank verließ, ging er neben mir her und sah mich an. Schweigend. Ich erwiderte seinen Blick. Schließlich grinste er, holte Luft und sagte – aus dem Nichts – :

„Ich hätte wahnsinnig Lust, dich zu lecken.“

Ähm. Okay.

Ich sah ihn an und konnte mir ein amüsiertes Grinsen nicht verkneifen. Einerseits hatten wir vorhin absolut offen über Sex gesprochen, er ging kein großes Risiko mit dieser Form der Direktheit ein, weil ich in dem Gespräch bereits deutlich gemacht hatte, wie pragmatisch ich bei diesem Thema war, aber… dass jemand diesen, meinen Pragmatismus spiegelte, war ich nicht gewohnt. Ich meine, wir hatten uns noch nicht einmal geküsst.
Andererseits… er merkte offensichtlich genau wie ich, dass hier auf eine sehr lockere Art etwas zwischen uns passte. Meine Gedanken überschlugen sich kurz und als ich kein gutes Gegenargument fand, sagte ich:

„Dann sollten wir uns vielleicht die Tage nochmal sehen.“

„Naja, ich dachte eher an… heute Abend? Ich bin allein in der Wohnung. Du könntest nachher noch mit hochkommen.“

Ich blickte geradeaus, weiterhin grinsend.

Eine Antwort blieb ich ihm schuldig, denn in diesem Augenblick erreichten wir die Bar.

Rhetorische Fragen

Etwa eine halbe Stunde saßen wir in der Bar, lachten, redeten und tranken Wasser (ich hatte immerhin noch vor zu fahren). Dann stand Marie auf, um kurz mit einem Freund von ihr zu sprechen, der in der Bar arbeitete, und ließ uns allein. Wenige Minuten vergingen, in denen wir uns unterhielten, direkt nebeneinander auf einer Bank, mein Knie berührte seines. Als ich meinen Satz zu Ende gesprochen hatte, schwieg ich.
Aus dem Augenwinkel merkte ich, dass er mich beobachtete. Es fühlte sich gut an. Leicht. Unkompliziert. Ganz bewusst ließ ich ein paar Sekunden verstreichen, um den Moment zu genießen, dann sah ich auf.

Als ich seinen Blick erwiderte, lächelte er leicht. Erst wenig, mit nur einem Mundwinkel, dann wuchs sein Lächeln zu einem eher herausfordernden, entwaffnend charmanten und absolut selbstsicheren Grinsen.

„Darf ich dich küssen?“

Es war faszinierend, wie wenig eine tatsächliche Frage in seinen Worten lag. Er fragte – aber es war mehr pro forma, mehr eine rhetorische Frage. Er bot mir einen Ausweg, von dem wir beide wussten, ich würde ihn nicht nehmen.

Ja, eines war sicher: Er wusste, was er tat.

Und ich konnte einfach nicht widerstehen. Ich erwiderte sein Grinsen, nicht minder herausfordernd, da beugte er sich bereits zu mir – langsam, aber ohne zu zögern. Vorsichtig, aber ohne unsicher zu sein.

Das nächste, was ich spürte, war eine tiefe Erleichterung – er konnte küssen. Fuck, er konnte wirklich küssen. Es gibt nichts Schlimmeres, als wenn sich zwischen zwei Menschen eine sexuelle Spannung aufbaut, man auf den ersten Kuss wartet und dann herausfindet, dass es nicht funkt – dass der andere nicht gut küssen kann oder zumindest so küsst, dass es einfach nicht zusammenpasst.

Der Captain hatte eine… eigene, individuelle Art zu küssen. Es waren nur wenige Sekunden vergangen, als er seine Hand an meine Wange legte (absoluter Jackpot, wie ich finde: Männer, die beim Küssen dein Gesicht in ihre Hände nehmen). Und er küsste… anders. Sanft. Langsam (Gott, ich liebe langsame Küsse…) und vorsichtig, aber vollkommen bar jeglicher Unsicherheit. Als wäre er so souverän, dass er sich einfach leisten konnte, nichts zu überstürzen. Er musste nichts beweisen. Er musste keine Energie investieren, keine künstliche Leidenschaft erzeugen, wo für den Anfang auch Souveränität vollkommen ausreichend war, um mich schwerer atmen zu lassen. Es war ein Kuss wie… eine Welle. Eine sanfte, stetige Welle, mal mehr, mal weniger. Ich wusste nicht, ob ich mir das einredete, ob es an dem Segel-Ding lag, aber… alles an ihm erinnerte mich irgendwie an Meer – und das entspannte mich.

Und je länger er mich küsste, desto mehr sammelten sich all meine Gedanken in einem einzigen:

Wenn er so leckt, wie er küsst…

Was als Kuss begann, artete schließlich ein wenig aus. Ich weiß nicht, wie viel Zeit vergangen war, aber irgendwann lag mein Bein zwischen seinen, meine Hand auf seiner Brust und seine in meinen Haaren. Meine andere Hand wanderte kurz in seinen Schritt, ich wollte spüren, wie hart er war, wollte merken, wie er auf mich reagierte.
Der Kuss wurde intensiver. So intensiv, dass mir ein Seufzen entfuhr. Ich reagierte ebenfalls. Und so häufig das bei mir ausbleibt, so klar ist dieses Zeichen, wenn es denn vorkommt: Ich wollte mehr.

Als wir den Kuss zum ersten Mal unterbrachen, blickten wir beide zum Türsteher, der beide Hände flach in einer bremsenden Geste gen Boden bewegte: Easy, ihr zwei. Macht mal langsam.

Shit, dachte ich nur. Ich bin es nicht mehr gewohnt, in der Öffentlichkeit einen Mann zu küssen, ohne ihn einfach überall anfassen oder ausziehen zu dürfen. Ich war nicht auf einem Fetisch-Event und in normalen Bars galten andere Regeln. Die Mahnung (die der Türsteher mit einem wohlwollenden Zwinkern vorbrachte) erwiderte ich sofort mit gehobenen Händen, entschuldigend.

Gerade als ich mich wieder zu ihm umwenden wollte, fiel mir etwas ein. Ich sah ihn an.

„Mist“, sagte ich instinktiv.

Er sah mich fragend an.

„Was ist los?“

„Ich…“, ich zögerte.

Was ich jetzt sagen würde, konnte den Abend in zwei Richtungen lenken. Entweder er würde mit einem „schade, dann eben ein anderes Mal“ antworten – was okay wäre, aber eben… nun ja, schade.
Oder es würde ein „stört mich nicht“ kommen, was meiner Begeisterung keinen Abbruch tun würde, im Gegenteil. Ich liebe es, wenn Männer diesbezüglich entspannt sind.

„Ich hab‘ meine Tage“, sagte ich schlicht und wartete. Und ich wartete nicht lang. Quasi ohne zu zögern fragte er:

„Und… stört dich das?“

Ich hob die Brauen.

„Mich? Nein, mich stört das nicht, aber…“

„Gut“, sagte er nur, legte seine Hand wieder an die Seite meines Gesichts, zog mich zu sich und küsste mich wieder. Ausgiebig, sanft, intensiv. Schließlich löste er sich langsam von mir, grinste leicht und sah mich an.

„Ich glaube, wir bleiben nicht mehr allzu lang – was meinst du?“

Und um zweiten Mal an diesem Abend bejahte ich eine rhetorische Frage.

3 Kommentare zu „One night with the captain, Part I

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  1. Auch wenn BDSM (bislang) nicht unbedingt meins ist, fasziniert es mich auf eine unbekannte Weise. Du schaffst es, mit Deiner, für mich, wundervollen Art zu schreiben, mir das Ganze zugänglicher zu machen. Ich folge Dir schon eine Weile auf Twitter und seit dem Captain lese ich hier auf dem Blog. Ich danke Dir für Deine Offenheit, deine Einblicke und freue mich auf weitere anregende Schilderungen.

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