Castor und Pollux – Teil 1/2

Oder: Von eineiigen Zwillingsschwänzen

— Beitrag von 2018 —

Meine Lieben, 

ich hätte es ja fast nicht gedacht, aber ich kann heute tatsächlich einen Beitrag darüber schreiben, wie ich einen wirklich außergewöhnlichen Punkt auf meiner Sex-Löffelliste abhaken durfte. Einen, der seit Jahren auf der Liste steht und von dem ich ehrlicherweise nie wirklich geglaubt hatte, ihn verwirklichen zu können. Aber man darf ja noch träumen, dachte ich. Während andere nachts träumen, standen meine Monde in diesen Tagen jedoch ausgesprochen günstig, denn Pan hat mir ein Geschenk gemacht, von dem ich euch heute erzählen möchte. Nun… zwei Geschenke, um genau zu sein:

Castor und Pollux.


Von YOLO und Carpe Diem

Es muss schon Monate her sein, als Pan mich fragte, welche Dinge ich noch so erleben wollte – sex-technisch. Ich kann nicht einschätzen, ob ich für meine Ende Zwanzig bereits viel oder wenig erlebt habe. Manchmal fühle ich mich ziemlich erfahren und habe den Eindruck, schon recht außergewöhnliche Dinge getan zu haben. Und dann treffe ich auf Frauen, die die BDSM-Szene mit 19 oder 20 für sich entdecken und die regelmäßig auf Gangbang-Partys gehen und denke… puh. Immerhin habe ich endlich (und dieses „endlich“ sage ich mit viel Nachdruck) aufgehört, mich zu vergleichen. Mir zu überlegen, wie weit ich schon bin. Wie hoch meine Zahl ist und ob ich denn nun schon als Schlampe durchgehe oder nicht. Ich habe mittlerweile eine innere Haltung zu diesem Thema gefunden, mit der ich mich wohlfühle und die mich nicht mehr stresst – ein großer Teil davon hat sich in den letzten beiden Jahren manifestiert.

One-Night-Stands sind ein gutes Beispiel. Ich halte nicht viel von ihnen. Nicht, weil ich sie verurteile, sondern weil sie mich einfach nie gereizt haben. Ich bin da eher der klassische Sensation-Seaker: Ich brauche Adrenalin. Entweder will ich außergewöhnlichen Sex. Will Erfahrungen machen, die mich allein durch ihre Außergewöhnlichkeit erregen. Oder ich will einfachen Vanillasex im Dunkeln, der dafür aber mit so viel Verbundenheit einhergeht, dass er meine Seele berührt. Keines von beiden finde ich in ONS.

Essentiell für meine Haltung gegenüber Sex (im Allgemeinen – also auch BDSM, aber eben nicht nur) ist mein Hedonismus. Mein inneres Carpe Diem. Das metaphorische YOLO, das ich wie eine Halskette trage. Ich möchte alles vom Leben mitnehmen, was es mir zu bieten hat. Ich bin hungrig. Ich will Dinge erleben, Erfahrungen machen und die Welt sehen. Und ich glaube, dass das Leben sich in unterschiedliche Phasen aufteilt: Man kann nicht in jedem Alter, zu jedem Zeitpunkt alle Arten von Erfahrungen machen. Das geben 24 Stunden pro Tag einfach nicht her. Ich glaube vielmehr, dass es immer kleine Häppchen an Jahren gibt, die von bestimmten Tendenzen geprägt sind – zumindest war das bei mir bislang immer so. Mit Anfang zwanzig lebte ich anders als ich es jetzt tue. Vor einigen Jahren wären mir Erfahrungen, wie ich sie zurzeit sammle, nicht möglich gewesen, allein weil mein Tagesrhythmus das nicht hergegeben hätte. Und vielleicht wird sich das in 5 Jahren auch wieder geändert haben, aber genau deshalb lebe ich zurzeit so wie ich es tue: Ich weiß nicht, was in 5 Jahren ist. Ich weiß nicht einmal, was in 5 Wochen ist. Aber ich weiß, dass ich es jetzt, in diesem Augenblick kann. Jetzt, hier und heute kann ich so leben und solche Erfahrungen mitnehmen und ich will verdammt sein, wenn ich in 50 Jahren irgendwo sitze und sagen muss „hätte ich doch nur, als ich die Möglichkeit dazu hatte…“.

Anyway. One-Night-Stands reizen mich nicht, und doch hatte ich letztes Jahr eins. Es war etwa so wenig gut wie ich erwartet hatte, aber auch nicht schlecht, so an und für sich. Es hat mir einfach nichts gebracht und wiederholen würde ich es wohl nicht. Aber (und das ist eben ausschlaggebend) ich habe es mal gemacht und das ist ein Gefühl, das mich zum Lächeln bringt.

Als Pan mich also fragte, welche Dinge ich denn noch erleben wollte, zögerte ich. Nicht, weil meine Liste nichts hergab und definitiv nicht, weil es mir unangenehm war. Sondern weil mich seine Frage an [jemanden] erinnerte, der mir vor mehr als einem Jahr dieselbe gestellt hatte und mir dann fast pathetisch erzählte, er würde es sich zur Aufgabe machen, mir diese Wünsche zu erfüllen.
Nun, wir wissen alle, wie diese Geschichte ausging. Also ja – ich zögerte. Es dauerte eine Weile, bis ich lernte, mich wieder zu öffnen. Einem Mann zu vertrauen. Überhaupt jemandem zu vertrauen, die Paranoia in den Griff zu bekommen und nicht in jedem Eichhörnchen den Teufel zu sehen.
Bezeichnend war dennoch, dass ich letzte Nacht einen Alptraum davon hatte, wie Pan mich betrügt. „Betrügt“ natürlich nicht im Sinne von „mit einer anderen Frau“ – darüber reden wir ja, ich weiß das alles und es stört mich keineswegs. Nein, ich träumte davon, wie er sich an unsere wenigen, aber dafür wichtigen Regeln nicht hält. Wie ich einen Raum betrete und ihn in einer bestimmten Situation sehe, von der er mir versprochen hat, sie würde nie vorkommen. Ja, solche Dinge träume ich, nachdem der Kerl mir einen meiner größten Sex-Wünsche erfüllt hat.

Es ist ein wenig, als hätte ich einen Splitter, der sich vor langer Zeit in meine Haut gearbeitet hat. Ich spüre ihn für gewöhnlich nicht, aber wenn man im genau richtigen Winkel an genau diese Stelle kommt, schießen mir kurz Tränen in die Augen.

Und ich bekomme ihn einfach nicht raus.

Im Whirlpool mit Prinz Albert

Meine Twittervögel haben vor knapp zwei Wochen mitbekommen, wie und wo alles begann – nämlich im Whirlpool. Pan und ich gehen ab und in ein FKK-Wellness-Resort, mit Sauna-Landschaft, Schwimmbecken, Dampfbädern und Whirlpools – das ganze Programm eben. Spaß haben wir dort immer, vor allem, weil wir beide uns gut ergänzen was den Exhibitionismus angeht. Pan liebt es, mich breitbeinig zur Schau zu stellen (vor ausgewählten Männern, die wissentlich gern schauen) und dann zu beobachten, wie Männer auf mich reagieren, uns nicht ganz so heimlich hinterherlaufen und mich beobachten.

„Ich fühle dann dieses… „meins“, weißt du? Alle starren dich an, alle finden dich geil, alle wollen dich – aber nur ich darf das hier machen“, raunte mir Pan ins Ohr, während er grob zwischen meine Beine griff, zupackte und mich im Wasser mit sich zog, nur um mich an einem Wasserstrahl, der aus der Wand kam, abzustellen und mich dort – fast – kommen zu lassen.
Wenig später saßen wir im Whirlpool, es war kurz vor Badeschluss. Ich muss ein wenig an mich halten, um euch den Rest des Abends nicht in all seinen Details zu schildern, denn auch diese Begegnung wäre eine Erzählung wert – allerdings war sie nur der Auftakt zu einer weitaus spannenderen. Denn es war an diesem Abend, in diesem Whirlpool, als Pan und ich Castor kennenlernten.

„Ja, eigentlich bin ich immer mit meinem Bruder unterwegs, aber der muss heute arbeiten“, sagte Castor, während ich meine Hand bereits an seinem Schwanz hatte, um Prinz Albert den Hof zu machen (um das klarzustellen: Prinz Albert ist der Name für ein Intimpiercing bei Männern – ein Ring in der Eichel).

Ich sah zu Pan, der jetzt die Brauen hob um mir zu bedeuten, nochmal nachzuhaken. Er dachte dasselbe wie ich.

„Und dein Bruder, ist der…?“, setzte ich zögernd an.

„Wir waren zweimal zusammen in Swingerclubs. Ist ganz lustig, immer, weil wir eineiige Zwillinge sind“, hörte ich ihn lachen und war froh, dass der Whirlpool für eine grundlegende Bewegung des Wassers sorgte – vielleicht hatte er deshalb nicht wirklich registriert, dass meine Hand kurz heftig zuckte, weil ich mich instinktiv zu Pan drehen wollte. Stattdessen spürte ich Pans Hand an meiner Seite, fühlte einen vielsagenden Druck.

Eineiige Zwillinge, die gemeinsam in Swingerclubs gingen.

Auf meiner Liste steht (stand! – haha!) das Stichwort „Brüder“, in Klammer dahinter dann „Zwillinge?“. Ja, zugegeben, der eigentliche Kink, die eigentliche Erfahrung, die ich machen wollte, waren Zwillinge – aber pragmatisch und realistisch wie ich bin, schraubte ich die Formulierung herunter, weil ich wusste, dass ich mit zwei Brüdern, die die Schwerter kreuzten, bereits einen Sechser im Lotto haben müsste.

Ich meine… eineiige Zwillinge, männlich, attraktiv, im richtigen Alter, sympathisch und BEREIT für sowas, noch dazu zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Ich meine… come on?!

Ich hakte nach, tauschte Blicke mit Pan und dann…

…war Badeschluss.

Nun. Was hatte ich auch gehofft? Dass ich hier durch Zufall einen attraktiven jungen Mann, Zwilligsbruder, mit Intimpiercing im Whirlpool kennenlernen würde und innerhalb von zehn Minuten die Grundsteine für einen Dreier legen könnte?

Sorry, ich muss grinsen. Geht gleich wieder…… 😉

„Dienstag. 20 Uhr. Bei mir.“

Die Tage vergingen und Pan ließ sich nichts anmerken, weshalb ich den Herrn aus dem Whirlpool mit seinem Prinz Albert beinahe schon wieder vergessen hatte, als er mir schrieb, ich solle mir in der kommenden Woche am besten Dienstag, Mittwoch und Donnerstag freihalten.

„Drei Abende komplett freihalten? Was hast du denn diesmal vor?“

„Vertrau mir.“

Ich vertraute ihm.
Am nächsten Abend dann die Festlegung auf Dienstag mit dem Kommentar:

„Ich sag nur… Haken auf deiner Liste.“

„Du musst mir aber vorher sagen, was wir machen!“

„Ich muss gar nichts“, antwortete er lakonisch.

Nun, er hatte recht. Er musste gar nichts. Ich hasste Überraschungen, aber ich wusste, dass Pan nichts tun würde, was mir keinen Spaß macht. Das war wohl also die Sache mit dem Vertrauen, was? Ich versuchte, mich zu entspannen, die Tage vergingen und Stück für Stück puzzelte ich mir aus seinen Andeutungen heraus, dass es um die Zwillinge ging. Was genau er geplant hatte, wusste ich nicht und ehrlich gesagt glaubte ich nicht, dass er… immerhin – nein, er würde doch nicht…? Oder doch?

„Dienstag, 20 Uhr bei mir. Sei pünktlich – die Jungs kommen nicht viel später.“

Mir wurde schlecht.

„Du meinst das ernst? Du hast es geschafft, die beiden eineiigen Zwillinge zu dir zu bestellen?“

„Das steht doch auf deiner Liste, oder?“

„Ja, aber…“

„Kein Aber. Ich hab dir gesagt, ich versuch dir ein paar Wünsche zu erfüllen, wenn ich kann. Und die eigentliche Arbeit hast du ohnehin selbst…“, fügte er feixend hinzu und ließ mich mit der Info allein.

FUCK.

Ich schwankte zwischen Aufregung, Vorfreude und ein bisschen Schiss. Keine wirkliche Angst – dazu braucht es mehr. Aber ja, ein bisschen Schiss hatte ich schon. Den einen Kerl kannte ich kaum, den anderen überhaupt nicht. Andererseits war Pan da. Und irgendwie ging es auch nicht darum, mich sonderlich gut mit beiden zu verstehen, sondern vielmehr um die Erfahrung an sich. Attraktivität und ein Mindestmaß an Sympathie genügten hier im Grunde. Ich wollte diese verdammte Erfahrung machen. Es war ein klassischer Fall von „man bereut nur, was man nicht getan hat“. Ich hatte keine Lust, in 30 Jahren sagen zu müssen „Einmal HÄTTE ich FAST mit zwei eineiigen Zwillingen…“. Nein, ich möchte im Indikativ sprechen können: Ich habe. Punkt.

Und, Leute… ich HABE. 😉

Drehbuch

Am Dienstagmorgen war ich nervös und freudig angespannt. Pan kennt mich gut – er weiß, dass er mich durchaus eine Weile zappeln lassen kann, aber dass ich entspannter bin, wenn ich eben doch kurz vorher erfahre, was denn nun der Plan ist. Wir schrieben am Mittag noch über den ungefähren Rahmen. Zugegeben, der Kontrollfreak in mir meldete sich zu Wort und hatte das Bedürfnis, Dinge klarzustellen. Offensichtliche Dinge. Ich schrieb ihm.

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Es waren überflüssige Ansagen – ich wusste zu jedem Zeitpunkt, dass Pan das genauso einhalten würde und alles davon bereits wusste. Aber der Kontrollfreak in mir wollte es aussprechen, einmal konkret.

Ich erschien pünktlich, die Zwillinge waren auf 30 Minuten später bestellt.

„Brauchen wir ein Drehbuch?“, fragte mich Pan, während er mir ein Glas Rotwein einschenkte.

„Hm, ich weiß nicht. Ich schwanke ja generell noch, in welche Richtung ich heute switche.“

Er sah mich an, grinste. Er kannte mich einfach.

„Naja, entweder ich schaffe es wirklich, abzuschalten und du machst die Ansagen. Oder ich nehm mir heute zwei Zwillinge, die mir zu Diensten stehen und die ich herumkommandieren kann.“

Pan packte mich am Hals und zog mein Gesicht zu sich:

„Du kannst versuchen, hier rumzuswitchen und wenn du Glück hast, machen die beiden auch, was du sagst. Aber ich mach heute die Ansagen. Das sind meine Zwillinge, die hören auf mein Kommando. Und du wirst tun, was ich dir sage…“

Ich schwankte zwischen „fuck, ja..“ und „aber was, wenn..?“.

„Es kann aber sein“, setzte ich vorsichtig an, „…dass ich bestimmte Dinge spontan entscheiden muss und dann nicht tun werde, was du von mir verlangst.“

Der Kontrollfreak in mir war stärker präsent als sonst. Für gewöhnlich bin ich bei Pan entspannt, aber in diesem Fall gab es so viele neue Faktoren, die ich nicht einschätzen konnte, dass ich das übermächtige Bedürfnis hatte, das Zepter in meinen Händen zu behalten.

„Wie zum Beispiel?“, fragte Pan, während er den Griff lockerte und sanfter wurde. Mir näher kam, mit seinem Atem meine Haut berührte. Ich schloss die Augen.

„Ich weiß zum Beispiel noch nicht mal, ob ich die küssen kann. Ich meine, es ist einfach…“

Seine Hand schloss sich um mein Kinn. Fest, besitzergreifend – aber nur so fest, dass es sich noch sanft anfühlte. Ich liebe diese Mischung. Er sah mich an, als er mich unterbrach.

„Wer redet denn hier von küssen? Der Einzige, der dich küssen darf, bin ich.“

Und dann tat er genau das.

Und nahm mir dabei das Zepter aus der Hand, ohne dass es mich störte.


Und weil der detaillierte Rest ziemlich intim und privat ist, gibt es den weiterhin für meine Patrons:

https://www.patreon.com/posts/castor-und-teil-41486915

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