Von Kupferketten, „Frauenthemen“ und #Osetztab

Oder: Ein persönlicher Erfahrungsbericht

Ich versuche, diesen Text möglichst zeitnah und möglichst prägnant zu schreiben – ganz fit bin ich noch nicht und das Schreiben fällt mir etwas schwer (Erklärung dazu folgt), aber ich möchte ein paar Dinge loswerden. In erster Linie zum Erfahrungsaustausch unter Frauen, die sich für das Thema interessieren und in zweiter Linie für Männer, die sich für das Thema interessieren sollten.

Vorab: Ich habe wirklich massenhaft Mails und DMs mit etlichen Erfahrungsberichten zum Thema bekommen. Ich habe sie alle gelesen, aber das individuelle Antworten ist mir leider nicht möglich. Ich bin für jeden Kommentar unter diesem Text hier dankbar, für jeden geteilten Erfahrungsbericht, der meinen ergänzt und erweitert oder in ein anderes Licht rückt, für jede Frage, jede Beschäftigung mit dem Thema, egal von welchem Geschlecht. Wichtig ist, dass nicht nur ich, sondern möglichst viele Menschen solche Berichte lesen können und sich mit dem Thema auseinandersetzen.


#Osetztab

Um das Rad nicht neu erfinden zu müssen, zeige ich euch hier, wie alles anfing. Im Januar begann ich über einen Thread auf Twitter unter dem Hashtag #Osetztab zu erzählen, welche Erfahrungen ich mit dem Absetzen der Pille nach 11 Jahren machte.

Der Thread ist relativ lang, deshalb lest ihn bei Interesse am besten kurz auf Twitter nach: 

 

Mittlerweile ist ein halbes Jahr vergangen, das Einspielen von Zyklus und Körper in meinem Fall könnt ihr unter dem Hashtag nachlesen. In erster Linie habe ich mit Bauchkrämpfen und klassischen Perioden-Nebenwirkungen zu kämpfen gehabt, Hautprobleme nerven mich ziemlich zu bestimmten Zyklusphasen und diese PMS hatte ich so vorher überhaupt nicht, das entdecke ich seither völlig neu und hasse es.
Die worst case – Szenarien kann ich allerdings nicht bestätigen, aber da ist absolut jeder Körper anders. Ich kann dafür auch diesen super positiven, befreienden Effekt nicht bestätigen – schätze, ich bin irgendwo in der Mitte.
Zugegeben, ich habe die letzten 6 Jahre genossen, meine Periode einfach nicht zu haben – aber die willkürlichen Zwischenblutungen im letzten halben Jahr mussten dann eben auch nicht sein. Unterm Strich bin ich froh, dass ich es gemacht habe, weil ich mittlerweile so viel recherchiert habe und die Unterschiede merke, dass ich froh bin, dass ich meinem Körper keine Hormone mehr antue. Empfehlungen möchte ich aber nicht aussprechen, jede Frau ist anders. Manche vertragen die Pille, was super ist.

Wichtig ist mir zu sagen, dass viele von uns (mir ging es auch so) über die Nebenwirkungen der Pille nie richtig aufgeklärt wurden und dann glauben, sie vertragen die Pille, während sie Nebenwirkungen haben, die sie gar nicht erst mit der Pille in Verbindung bringen. Gerade psychische Schwierigkeiten, Angststörungen, Depressionen, usw. können eben definitiv von der Pille kommen und es ist absolut unverantwortlich, dass unser Gesundheitssystem bereits 13jährigen Mädchen die Pille verschreibt, ohne darauf vorzubereiten, dass es bspw. zu psychischen Nebenwirkungen kommen kann und damit in Kauf nimmt, dass all diese Mädchen und Frauen glauben, es läge an ihnen, weil sie die Verbindung gar nicht erst ziehen. Das zu erkennen und im Blick zu haben, halte ich für essentiell. Welche Entscheidung dann getroffen wird, ist eine individuelle und völlig andere Sache.

Verhütung ohne Hormone

Ich wusste immer, dass ich mir früher oder später etwas würde einfallen lassen müssen. Ich will keine Kinder, möchte also wirklich, wirklich nicht schwanger werden. Kondome schützen vor Krankheiten, was allein deshalb Grundlage ist, aber… ab und an komme sogar ich in die Situation, dass ich mit einem Mann regelmäßig Sex habe und ihm soweit vertraue, dass man das Kondom auch weglassen würde – ist halt schon ein Unterschied, wie ich finde. Zudem ist mir auch schon mal ein Kondom kaputtgegangen. Es ist und bleibt einfach nicht die sicherste Methode und ich kann und will nicht langfristig mit Rest-Paranoia und der Angst vögeln, dass Kondome einfach ein nicht zu verachtendes Rest-Risiko bergen.

Meine Recherchen brachten mich dann zu unterschiedlichen Ergebnissen, die ich gern zusammenfassend mit euch teilen würde, allerdings ohne jeglichen Anspruch auf Richtigkeit. Erkundigt euch also bitte bei euren Gyns – wichtig hier: von denen haben auch nicht immer alle die Weisheit mit Löffeln gefressen. Ihr dürft auch Meinungen von Ärzten infrage stellen. 😉

  • Es gibt hormonfreie und hormonelle Verhütungsmethoden: Verhütung mit Hormonen ist abgesehen von der Pille die Hormonspirale, als beliebtestes Mittel. Da ich nicht mehr mit Hormonen verhüten will, habe ich dazu nicht viel recherchiert.
  • Wer hormonfrei und möglichst natürlich verhüten will, kann sich eingehend mit NFP, „natürlicher Familienplanung“ beschäftigen.  Diese Methode basiert auf Eigenverantwortung und Disziplin. Man beobachtet seinen Zyklus und seinen Körper, findet so die fruchtbaren Tage heraus, an denen man zusätzlich verhüten sollte, und die unfruchtbaren, an denen man sich keine Sorgen machen muss. Ich kenne viele Frauen, die das machen und damit sehr zufrieden sind.
    Ich persönlich sehe die Nachteile für mich darin, dass ein regelmäßiger, zuverlässiger Zyklus sowie Schlafrhythmus dabei von Vorteil sind und mir die Sache einfach nicht sicher genug ist, gerade an den Übergangstagen von fruchtbar zu unfruchtbar. Ich möchte im Kopf einfach abschalten können und wissen, dass ich nicht täglich auf einen Kalender schauen muss, um zu wissen, wie sehr ich mich heute entspannen kann. Ist aber eine subjektive Sache.
  • Wer hormonfrei, aber künstlich/mechanisch verhüten möchte, landet bei der Kupferspirale oder alternativ der Kupferkette oder dem -ball.

    Die Kupferspirale scheint eine gute Sache zu sein, meine Gyn wollte sie mir nicht legen, weil ich noch keine Kinder habe und deshalb 1. das Einsetzen, laut ihr, sehr schmerzhaft sein kann und 2. die Möglichkeit besteht, dass sich Narbengewebe bildet und nach dem Entfernen die Chancen auf eine gut verlaufende Schwangerschaft teilweise sinken können (auf meinen Hinweis, das mir das recht wäre, weil ich keine Kinder möchte, ging sie natürlich nicht ein). Nach meiner Recherche ist der größte und häufigste Nachteil der Kupferspirale, dass Regelschmerzen und Bauchkrämpfe während der Periode sich deutlich verstärken können.
    Die Kupferkette ist ein dünner Faden mit kleinen Kupferkugeln, der über einen Knoten an der Gebärmutterdecke befestigt wird. Der Kupferball ist eine Art Draht, der in die Gebärmutter geschoben wird und sich dort automatisch zu einer Art „Ball“-Form zusammenzieht und dann in der Gebärmutter liegen bleibt, ohne befestigt zu werden. Der Arzt, der mir jetzt die Kette gelegt hat, erklärte mir (ergab für mich Sinn), dass die Gebärmutter dafür gemacht sei, Fremdkörper eher auszustoßen und dass sie „arbeitet“, also die Wahrscheinlichkeit, dass der Ball von der Gebärmutter einfach ausgestoßen wird, deutlich höher ist als bei der Kette. Er riet mir zu dieser.

    Alle davon geben Kupfer-Teilchen ab, die die Beweglichkeit und zudem das Einnisten von Spermien verhindert. Der Pearl-Index liegt bei 0,1 bis 0.5, was sicherer ist als die Piller (wohl aufgrund von Anwendungsfehlern beim Einnehmen).

  • Nach meiner Recherche konnte ich relativ schnell von allen anderen Verhütungsmethoden sagen, dass sie entweder mit Hormonen funktionieren oder mir einfach nicht sicher genug sind. Ich endete also bei der Kette – jetzt brauchte ich noch jemanden, der mir die legen konnte. Turned out: gar nicht so leicht.

 

Die Kupferkette – Von Bürokratie und Herausforderungen

Die Kupferkette ist nicht gerade in aller Munde. Während die Pille überall verschrieben wird, muss frau nach alternativen Methoden proaktiv suchen, so mein Empfinden. Meine Gynäkologin ist ein großer Pillen-Fan. Über die Jahre riet sie mir bei Nebenwirkungen und Schwierigkeiten immer lediglich zu einem Wechsel des Präparats, auch als ich meine Bedenken äußerte, dass ich die Pille nun schon sehr lange nehme. Sie meinte, manche Frauen nehmen die Pille von der Pubertät bis in die Wechseljahre, teilweise sogar durch, und das sei völlig in Ordnung. Ich will dem nicht kategorisch widersprechen, ich bin keine Ärztin – für mich persönlich war die Vorstellung, mein Leben lang Hormone zu nehmen einfach immer weniger denkbar. Die Kupferkette sprach ich einmal an, aber sie selbst legte die nicht, sondern nur die Spirale – wenn überhaupt. Ich recherchierte also und fand heraus, dass die Kupferkette nur von Ärzten gelegt wird, die speziell dafür ausgebildet sind. Eine Liste dieser Ärzte nach Region findet man hier:

https://www.verhueten-gynefix.de/aerztefinder

Ich stieß über diese Liste auf eine Arztpraxis in meiner Stadt und bat um einen Termin. In dem Telefonat wurde mir gesagt, dass man die Kette auch gleich legen könne – es wird ein Termin werden mit Beratung, Untersuchung und bei Bedarf auch gleich Einsetzen. Am besten soll ich anrufen, wenn ich meine nächste Periode habe, dann sei der Muttermund geweitet und man könne leichter legen. Ich sagte, dass meine Periode am Wochenende eintreten würde und sie gab mir für kommenden Dienstag einen Termin.

Mir ging das alles recht schnell, ich fühlte mich etwas überrumpelt und mir fehlte das Gefühl, dass hier jemand versteht, dass das für mich eine nicht ganz bedenkenlose Entscheidung war. Ich twitterte und tauschte mich aus.

Den Termin nahm ich wahr, ich nahm extra eine gute Freundin mit, weil ich um den Effekt weiß, dass man sich manchmal von Autoritätspersonen oder Menschen mit vermeintlich riesigem Fachwissen überrumpeln lässt. Begleitpersonen waren leider nicht gestattet, wohl aufgrund von Corona, ich ging also allein.

Die Arzthelferinnen waren schrecklich unhöflich, kurz angebunden und einfach nur unverschämt – ich war dennoch offen, immerhin musste das nicht zwingend etwas über den Arzt oder die Ärztin sagen. Ich bekam einen Termin bei dem einen männlichen von drei Ärzten der Gemeinschaftspraxis, was vorher nicht klar war. Ich war nicht begeistert, aber versuchte, auch hier offen zu sein. Tatsächlich war die Untersuchung deutlich angenehmer als bei meiner Gyn, was nicht zwingend etwas heißen muss, aber ich habe das Bedürfnis, das zu erwähnen.

Im Vorfeld bekam ich seitenweise kleingedruckte Bögen, die ich mir durchlesen sollte – zusammengefasst alle Spiralen, mit und ohne Hormonen, Kette und Ball. Etliches an Wissen, von dem man sich nur erschlagen fühlen kann und von dem ich die Hälfte nicht brauchte. Damit gehen Ärzte sicher, dass man Patienten alles an Wissen gegeben hat, das potentiell relevant ist, ohne ein stundenlanges Gespräch zu führen.

Wichtig: Diese Bögen sind sinnvoll und aus ärztlicher Sicht nachvollziehbar. Sie ersetzen aber kein Beratungsgespräch. Wenn eurer Arzt es also für ausreichend empfindet, euch einen solchen Bogen zu geben und ansonsten kein Beratungsgespräch führt, ist er nicht unbedingt der richtige Arzt.

Tatsächlich führte der Arzt, bei dem ich war, ein ausführliches Gespräch und gab mir die Möglichkeit, Fragen zu stellen, die er alle beantwortete – was mich ernsthaft beruhigte und mir ein gutes Gefühl gab. Der erste Strike, den er sich erlaubte, war bei der Frage, wie ich denn auf die Kette kam und weshalb ich das will. Ich erzählte kurz meine Geschichte und Einstellung und dass ich auch über Sterilisation nachdenke, aber man ja keinen Arzt findet, der das bei einer gesunden 30jährigen Frau macht. Er lachte und nickte und sagte „natürlich nicht“. Dann sah er mich an, mit diesem… Blick und sagte:

„Der Prinz kommt schon noch.“

Ich muss hier wohl nicht ausführen, auf wie vielen Ebenen das unangemessen ist. Ich ignorierte es, weil er mir fachlich kompetent schien und 18 Jahre Erfahrung im Legen von Spiralen und Ketten hatte und ich einfach hoffte, dass auch ein sexistisches Arschloch einen guten Job machen konnte. Ich will das nur als Hinweis erwähnen, damit Frauen sich auf Kommentare dieser Art einstellen – sie sind keine Ausnahme.

Der zweite Strike war sein Umgang mit meinen Bedenken was das Legen anging:
Ich entschied mich für die Kette, erkundigte mich dann nach der Möglichkeit, die Sache unter Narkose zu machen. Erfahrungsberichte erzählten wirklich überwiegend von kaum aushaltbaren Schmerzen und ich hörte regelmäßig „wenn ich heute nochmal die Möglichkeit hätte, ich würde es sofort unter Narkose machen“. Ich überlegte lang. Eigentlich bin ich nicht empfindlich, aber aufgrund von ein paar Erfahrungen und persönlichen Themen hatte ich hier… nun ja, es war schon mehr als Respekt, es war Angst, so ehrlich muss ich sein. Örtliche Betäubung machte dieser Arzt nicht und laut den Berichten brachten die auch nicht wirklich viel. Manche Ärzte geben Medikamente, die den Muttermund weiten, Muskeln entspannen, usw. Aber… ja.
Er zeigte mir anhand eines Modells, wie der Eingriff vorgenommen wird und ich hatte natürlich in meinem Bedürfnis nach Aufklärung vorher recherchiert und mir die Instrumente angesehen. Kurz mal Klartext (alle, die dazu keine Details wollen, den folgenden Absatz überspringen):

Fast jede Frau weiß, wie schmerzhaft es sein kann, wenn ein Mann beim Sex mit seinem Penis an den Muttermund stößt. Es ist ein, wie ich finde, wirklich unschöner, heftiger Schmerz – eines dumpfen, weichen „Gegenstands“, der lediglich AN den Muttermund stößt. Beim Legen einer Kupferkette wird ein medizinisches Instrument DURCH den Muttermund eingeführt, IN die Gebärmutter, diese wird bei Bedarf ein wenig „eingehakt“, um sie zu ziehen bzw. zu dehnen, damit die Kette an der Decke ins Muskelgewebe eingehakt und mit einem kleinen Knoten befestigt werden kann. 

Ich habe auch häufig gelesen, dass es erträglich und nicht allzu schlimm war, jede Frau ist anders und mir ist bewusst, dass jene, für die es wirklich heftig war, hier wohl eher schreiben als jene, für die es ganz easy lief. Aber… nun ja, was soll ich lang drum herum reden, ich wollte es einfach nicht und ich fragte mich irgendwann, ob ich mich hier ernsthaft von meinem Ehrgeiz  triggern lassen wollte und ob ich IMMER jede Herausforderung im Leben annehmen und immer alles „aushalten“ musste.

Darf man sich das Leben nicht auch ein bisschen leichter machen, wenn man die Möglichkeit dazu hat? 

Was mich enorm störte, war die Haltung des Arztes, der mich wortwörtlich belächelte und mehrere Kommentare brachte nach dem Motto „Sie sind doch nicht der Typ für eine Narkose“ oder „ach, Sie haben doch schon ganz andere Dinge im Leben ausgehalten, oder?“ und „das kann Ihre Gebärmutter schon ab“.
Ich beschränkte mich auf die Frage, woher er das wissen wolle und ob er denn eine Gebärmutter hatte – er lachte und schwieg.
Ich bin super anfällig für diese Art der Kommunikation, für das Triggern von Ehrgeiz, für Herausforderung, für das Testen meiner Leidensfähigkeit. Das hat mir in meiner Einstiegsphase im BDSM schon beinahe das Genick gebrochen. Wenn mir etwas Angst macht, MUSS ich es tun – es ist fast ein Zwang. Ein Überbleibsel von meiner Angststörung und der Therapie in diese Richtung, die mich zwar hierher gebracht hat, aber die ich bisweilen bewusst im Zaum halten muss.
Ich ging aus der Praxis und war mehrmals kurz davor umzudrehen und es doch zu machen, weil ich mir vorkam, als hätte ich gekniffen. Als wäre ich nicht „mutig genug“ gewesen.

Das Ding ist: Für mich ganz persönlich hat es eine ziemlich Portion Mut gebraucht, zu einer solchen Herausforderung bewusst Nein zu sagen. Vor diesem Arzt zu sitzen, belächelt zu werden und auf meiner Haltung zu bestehen, die sich diese Sache einfach nicht antun, sondern den Spaß unter Narkose machen wollte – und ich finde das auch jetzt noch völlig legitim.

Narkose, Eingriff und Aufklärung

Ich bekomme bereits am Tag darauf einen Termin in der Praxisklinik, die unterschiedliche ambulante Eingriffe vornehmen. 6 Stunden vorher muss man nüchtern sein, was okay ist, weil der Termin mittags stattfindet. Erneut bekomme ich etliche Bögen, die diesmal mit der Narkose zu tun haben und alle möglichen Komplikationen und Nebenwirkungen abdecken. Ich hatte bei einer Magen- / Darm-Spiegelung einmal eine Narkose mit Propofol, das ich gut vertragen habe, mache mir also keine großen Sorgen.

Was mir heftig auffällt, ist das Gefühl der Massenabfertigung. Alles läuft im Takt, eine Frau geht rein, kommt ins Wartezimmer mit ihrem Bogen, den sie ausfüllt, während die nächste zum behandelnden Arzt für letzte Fragen geht. Drei werden parallel in die Zimmer geschickt, Schwestern erklären das Prozedere, man zieht sich aus und um, wartet dann, die nächste läuft im Hemdchen an einem vorbei, während einem das Aufwachbett gezeigt wird, in dem man später liegt. Alles Frauen, alle allein, alle irgendwie im selben Boot, die meisten davon irgendwie unsicher und verloren, zumindest wirkte es so auf mich.

Ich fülle den Bogen aus, betrete den Raum, in dem mein Arzt auf mich wartet und mir nochmal einen Bogen gibt, auf dem alles steht, was für die Nachbehandlung wichtig ist.

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Er beantwortet letzte Fragen und ich unterschreibe irgendwas. Nochmals ins Wartezimmer, dann ruft mich eine Schwester, führt mich in einen Umkleidebereich und erklärt mir alles. Ausziehen, nackt bis auf Socken. Ich bekomme OP-Unterwäsche, die nachher durchgeschnitten werden kann, ein Hemdchen, das im Nacken gebunden wird und Plastik-Überzieher für Füße und Kopf. Alles andere kommt in einen Spint, wenn ich fertig bin, soll ich klopfen.

Ich klopfe, die Schwester führt mich durch mehrere Räume, was sich in dem Outfit komisch anfühlt – ich habe glücklicherweise kein Problem mit dem Gefühl, seltsam und nackt angezogen zu sein. Ich sehe im Vorbeigehen Aufwachbetten, höre eine Frau weinen und laufe an einigen Ärzten vorbei, ich sehe nicht eine Ärztin. Ich werde wieder in ein kleines Zimmer gesetzt mit dem Geheiß zu warten. Eine Minuten später klopft der Anästhesist, dunkelblauer Kittel, Mundschutz, attraktiv, ziemlich cocky. Er kommt rein, stellt sich vor mir auf, sieht mich an, grinst, betrachtet meinen Bogen.

„Frau O“, sagt er, „Sie sind also Bloggerin. Worüber schreiben Sie denn so?“

„Über Sex und BDSM.“

Er stutzt. Na immerhin. Ich mag seine Art nicht – grenzt an Überheblichkeit.

„Aha…“

„Nun“, ergänze ich, „ich schreibe viel für Anfänger und Einsteiger, Missbrauchsprävention in dem Bereich und…“

„Ahhh…!“, fällt er mir ins Wort, dann schaut er wieder auf den Bogen, ignoriert mich und lacht (ernsthaft!), „Sie sind so ’ne Feministin.“

Er lässt mich nicht mehr zu Wort kommen, sondern stellt mir stattdessen medizinische Fragen. Ich hasse mich kurz dafür, dass ich meinen bissigen Kommentar schlucke, dass ich irgendwie… kusche, zumindest fühlt es sich so an. Aber ich weiß, dass dieser Mann gleich dafür sorgen wird, dass meine Narkose funktioniert und auch wenn ich nicht behaupten will, dass er seinen Job vorsätzlich schlecht machen würde, so bleibt das Gefühl eben dennoch. Ich lasse es auf sich beruhen.

Was mir nicht bewusst war, ist die doch recht große Aufmachung des Eingriffs, wenn ich ehrlich bin. Tatsächlich ist nichts davon wirklich schlimm, aber vor allem, wenn man keine Erfahrung damit hat, kann ich mir vorstellen, dass es… wirklich unschön ist, in erster Linie aufgrund des psychischen Eindrucks. Gerade deshalb ist es mir wichtig, darüber zu sprechen und ein bisschen zu erzählen. Nicht, um Angst zu machen – im Gegenteil, ich möchte Frauen die Möglichkeit geben, sich auf so etwas vorzubereiten, eben gerade damit die Option, das unter Narkose machen zu können, realistischer wird. Das Prozedere selbst läuft vermutlich auch nicht überall so wie hier, aber Eindrücke schaden nie – Aufklärung, darüber reden, ihr wisst schon. Frauen, die vorher lieber nicht wissen, was auf sie zukommt oder die sich leicht in so etwas „reinsteigern“, die starke Ängste in Bezug auf Krankenhäuser haben, usw., sind die folgenden Absätze vermutlich nicht geeignet. Aber Spoiler: Es WIRKT vielleicht auf manche heftig, ist aber tatsächlich nicht wild. 

Wenn man sich vorstellt, dass alles wie beim Gynäkologen ist und man vorher eine Spritze bekommt, schläft und dann aufwacht, liegt man falsch. Allein die Örtlichkeiten, die Menge an Personal und die Abfertigung können wirklich einschüchtern, das darf man nicht zu heftig auf sich wirken lassen. Nachdem der Anästhetist ein kurzes Gespräch mit einem führt, nimmt er einen mit in den „OP-Raum“. Das Ganze ist keine OP im eigentlichen Sinne, aber der Raum wirkt danach, definitiv. Es waren 2 Anästhesisten anwesend, der Arzt und 3 Schwestern, also 6 Leute, die in voller Montur, OP-Kleidung, Masken und Handschuhen auf einen warten, aufgestellt in einem klinischen Raum, um einen großen Tisch, umgeben von medizinischem Kram. Der Tisch ist ein flaches Brett, auf das man sich am kurzen Ende setzt und dann zurücklegt, an dem zwei Gynstuhl-Beine fixiert sind. Es ist also kein Gynstuhl, sondern ein Tisch, auf dem man flach liegt, mit nach oben gestreckten Beinen.

Wäre mir das Szenario vorher bewusst gewesen, hätte ich mir einige Augenblicke mit ziemlich flauen Magen sparen können – genau deshalb erzähle ich euch davon. Es ist ernsthaft kein Drama, es wirkt aber deutlich heftiger als es ist. Im Idealfall hat man ein oder zwei Anwesende, die einen auch mal anlächeln und Blickkontakt suchen, aber vermutlich sind alle ziemlich in ihrem eigenen Film und man ist eben doch nur eine Nummer. Auch das ist nicht zwingend schlecht – die machen eben ihren Job. Es hilft aber, wenn man darauf eingestellt ist.
Was für mich – ganz persönlich – das schlimmste war, waren die Klettverschlüsse um meine Beine. Auf einem medizinischen Tisch liegen und das Gefühl haben, „festgebunden“ zu werden, triggert mich komplett, allerdings wird man nicht fest-festgebunden und auch nicht mit Schnallen, sondern lediglich mit leichten Klettverschlüssen und im Grunde merkt man es kaum. Nicht weiter schlimm, der Oberkörper bleibt komplett frei, es geht nur um die Beinhalterungen des Gynstuhls. Kein Drama, für mich persönlich ohne Vorbereitung ein fieser Augenblick – aber nach Jahren  der Erfahrung mit Panikattacken, hatte ich das durch das richtige Atmen schnell im Griff.

Links und rechts werden dann die Arme abgelegt, um einen Zugang zu legen und dann ist im Grunde alles schon vorbei, weil man im besten Fall eine Minute später bereits schläft. In meinem Fall hat mein cocky Anästhesist den Zugang falsch gelegt und ich hatte innerhalb von Sekunden höllische Schmerzen im Oberarm, sodass mir Tränen kamen und er mich noch fragte, was denn los sei – er hatte mir die erste Dosis Propofol paravenös gespritzt hat, also ins Gewebe, statt ins Blut. Sein Kollege hat ihn dann darauf hingewiesen und einen zweiten Zugang im Handgelenk gelegt, eine weitere Dosis gespritzt und auch wenn das alles 3 oder 4 Minuten ging und wirklich unangenehm war, so verlief der Rest ohne Komplikationen und ich würde es jederzeit wieder tun.
Man schläft und registriert im Grunde gar nichts, nach etwa 30 Minuten wacht man auf und wird gestützt von 2 Personen auf ein anderes Bett gelegt. Vom Weg in den Aufwachraum bekommt man noch überhaupt nichts mit, weil man neben der Spur ist, irgendwann kommt man zu sich und ist schlicht und ergreifend wahnsinnig müde. Aber auch das lässt mit der Zeit nach. Ich hatte das große Glück, eine tolle Pflegerin zu haben, die sich liebevoll gekümmert hat, mir Kamillentee gebracht hat, weil ich nicht sicher war, ob mir ein wenig übel ist, was tatsächlich sehr schnell wieder weg war und die ausnahmsweise nicht den Eindruck erweckt hat, als wäre man nur eine Nummer.


 

Danach

Ich war noch in der Aufwachphase, selbst noch dämmrig, spürte einen dumpfen Schmerz im Bauch und war orientierungslos, als ich im Bett neben mir hörte, wie eine Frau bitterlich weinte. Ich weiß noch, wie ich versuchte, mich aufzusetzen, es aber einfach nicht ging. Ich fragte, ob alles okay war und sie etwas brauchte, kurz darauf kam die Schwester und kümmerte sich. Ich bekam nur minutenweise etwas mit, dämmerte wieder kurz und wachte erst richtig auf, als im Bett auf meiner anderen Seite eine Frau über Schmerzen klagte, die wohl von einer Ausschabung kamen.
Die Zeit verging, nach etwa 20 Minuten konnte ich mich hinsetzen, war in der Lage zu laufen und wurde testweise auf die Toilette geschickt – um zu sehen, wie stark die Blutung ist und den Kreislauf in Gang zu bringen. Als ich zurückkam, saß die erste Frau ebenfalls auf dem Bettrand und wirkte deutlich stabiler als vorhin. Wir unterhielten uns und es stellte sich heraus, dass sie eine Abtreibung hinter sich hatte – trotz Pille.

„Ich würde das sofort machen“, sagte ich intuitiv.

Sie sah mich an, fast schon hoffnungsvoll, als sei die Bestätigung gerade das, was sie brauchte. Absolution. Ein „ok“ von außen.

„Definitiv. Eine sehr gute Freundin von mir hatte mal eine Abtreibung und hat erzählt, dass danach alle erwartet hatten, dass sie jetzt Schuldgefühle haben müsse und es ihr jetzt schlecht ging, sie aber tatsächlich einfach nur erleichtert war.“

Sie nickte. Sie war dankbar. Wir redeten noch ein wenig, über alles mögliche.

„Manchmal ist man so gern Frau, was?“, sagte sie und schnaubte.

Wir lachten beide.


Mittlerweile sind 48 Stunden vergangen. Das Schlimmste waren tatsächlich die Schmerzen im Oberarm, die vor allem in der ersten Nacht richtig heftig waren. Ich konnte den Arm kaum anheben, hatte heftige Schmerzen und war super genervt, weil ich nicht richtig schreiben konnte.
Im Unterleib spüre ich seither ab und an ein fieses Ziehen, was vergleichbar ist mit Regelschmerzen und kein Drama. Die Blutung hatte ich mir schlimmer vorgestellt, worüber ich glücklich bin, weil ich keine Tampons verwenden darf, was einfach super ätzend ist. Ich weiß noch, dass ich aufwachte und vor allem zu Beginn irgendwie… den Schatten eines Schmerzes spürte, der sehr merkwürdig und ziemlich gemein war und ich nur dachte: Wenn DAS der Schmerz vorhin gewesen wäre, nur eben tatsächlich stark, dann… ja, dann bin ich froh, dass ich das so gemacht habe.

Ich muss rund 10 Tage auf Sport verzichten und soll mich die ersten Tage wirklich schonen, damit der Knoten sich festsetzt und die Kette auch wirklich stabil hält. Die Verhütungswirkung ist sofort gegeben, auf Sex muss ich dennoch eine Woche verzichten (hätte ich ohnehin nicht gehabt) und wenn ich ihn wieder habe, soll ich nachfragen, ob der Mann den Rückholfaden spürt und ob er unangenehm ist. Falls der piekst, was wohl vorkommen kann, kann der auch noch gekürzt werden.

Ich fühle mich ansonsten gut, die Schmerzen sind komplett im Rahmen, nicht schlimmer als Regelschmerzen und mit dem Arm hatte ich eben Pech, das dürfte den meisten anderen erspart bleiben – würde ich aber wieder machen, wenn ich dafür den Rest nicht erleben muss und vor allem im Kopf deutlich entspannter bin, weil ich weiß, dass es okay ist, wenn ich das jetzt nicht „aushalte“, sondern auch mal den leichten Weg gehe.

Eine der heftigsten Erfahrungen in diesen Tagen war ehrlich gesagt alles drumherum. Ärzte, die einem sagen, dass „der Prinz schon noch kommt“ und Anästhesisten, die einen als „Feministin“ belächeln. Überwiegend männliches Arzt-Personal, weibliche Arzthelferinnen, die zu großen Teilen komplett ignorant und wenig einfühlsam sind. Eine organisierte Maschinerie von Behandlungen und Eingriffen, Frau um Frau, die dort liegt, allein und ohne Begleitperson, weil die dort generell nicht erlaubt sind. Frauen, die im halbe-Stunde-Takt Eingriffe erleben, Schmerzen haben, Abtreibungen und Ausschabungen vornehmen lassen müssen, von denen die Krankenkassen nur einen Bruchteil zahlen. Frauen, die aktiv darum kämpfen müssen, dass man ihnen Fragen angemessen beantwortet und sich Zeit nimmt und ihre Bedenken ernst nimmt, statt sie zu belächeln, ihre Emotionen in Abrede zu stellen und ihnen den Eindruck zu vermitteln, sie würden „nicht genug aushalten“ und seien einfach „sehr empfindlich“.
„Empfindlich“ ist übrigens ein Adjektiv, das sogar in den Bögen stand: „Besonders empfindliche Patientinnen“. Ich hasse dieses Wort. Was bitte ist denn „besonders empfindlich“? Jede Frau, die von einem Mann schon einmal in einer emotionalen Situation als „empfindlich“ bezeichnet wurde, stellt sich sicherlich nicht vor einen Arzt und sagt „ich gehöre zu den besonders empfindlichen!“.

Anyway. Ich möchte nicht ranten, ich möchte das hier nicht in ein feministisches Manifest ausarten lassen. Hier standen gerade noch zwei lange Absätze über Frauen und Männer und… ach. Ich habe sie gelöscht.
Ich habe heute keinen Nerv, um differenziert genug auszudrücken, was ich eigentlich alles sagen will und zugleich zu verhindern, dass nachher wieder ein „aber nicht alle Männer“ aufkommt.

Ich habe einfach, wenn ich solche Erfahrungen mache, bisweilen Tagen, an denen mir gewisse Themen präsenter, wichtiger, größer scheinen. Zugleich hoffe ich dann einfach, dass jeder, der mich kennt und liest, weiß, dass ich Männer nicht kategorisch verurteile und sie im Gegenteil häufig genug verteidige, weil ich Pauschalisierungen nicht mag und mir ein Leben ohne Männer nicht vorstellen könnte.
Und ja, ich hatte und habe die letzten Tagen großartige Unterstützung von Männern erfahren, aber mir fällt eben auch auf, dass es an manchen Ecken weiterhin an Feingefühl fehlt – auch unter den „Besten“. Das auch hier ein „ich lass dich lieber in Ruhe, wenn man nichts mit dir anfangen kann“ kommt oder über Handjobs oder Blowjobs geredet wird, weil der Eingriff ja nur Penetrationssex verbietet.
Es sind Halbsätze, Anmerkungen und Anspielungen von unterschiedlichen Männern, die teilweise sonst zu den „guten“, vielleicht sogar zu den „Besten“ gehören. Männer und Worte, die mich für einige Sekunden wirklich, wirklich stören. Elementar stören.
Aber… dann frage ich mich nach dem „warum“.

Ich frage mich, ob es daran liegt, dass auch die rücksichtsvollsten Männer mit den besten Absichten, den nobelsten Haltungen sich am Ende des Tages einfach nicht vorstellen können, was es eigentlich heißt, Frau zu sein. Welche Gedanken man sich macht, wie präsent manche Themen und wie unangenehm einige Erfahrungen sind.

Und so sehr ich das Bedürfnis bisweilen nachvollziehen kann, Männer manchmal einfach kategorisch scheiße zu finde… ich setze doch lieber auf Aufklärung. Ich setze darauf, von solchen Erfahrungen zu erzählen, aufzuklären und Frauen, aber eben auch Männern die Möglichkeit zu geben, sich zu erkundigen, in der Hoffnung, dass einige davon ernsthaft darüber nachdenken, was all das bedeutet und anfangen, sich Gedanken darüber zu machen,

 

Ich wünsche mir, dass Männer darüber nachdenken, welche Beiträge sie leisten können – auch dann, wenn es niemand von ihnen erwartet.

Ich wünsche mir, dass Frauen darüber nachdenken, welche Beiträge sie nicht leisten müssen – auch dann, wenn es jeder von ihnen erwartet.

13 Kommentare zu „Von Kupferketten, „Frauenthemen“ und #Osetztab

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  1. Danke für Deine Erfahrung und ich wünsche Dir die beste Erholung. Es ist immer interessant, detaillierte Erfahrungsberichte zu lesen (va. gut geschriebene).

    Ich habe allerdings das Gefühl, dass Deine Frauenärztin und Du aneinander vorbeigeredet haben, denn „froh, keine Kinder zu bekommen“ und „Chance auf *glückliche* Schwangerschaft senken“, sind zwei ebenso legitime, wie auch verschiedene Dinge. Verstehe jedoch, dass es für Dich dabei um Kinder und Schwangerschaft und die Erwartung, dass „jede Frau irgendwann Kinder will“ ging.

    Ansonsten sehr schöne, interessante Schilderung. Schön, dass Du Dich nicht zu einer „Mutprobe“ hast drängen lassen und auch den Stolz über diese persönliche Leistung genießen kannst. Danke nochmal für den Bericht.

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    1. Danke für den Kommentar. Die Gespräche mit meiner Gyn waren hier stark zusammengefasst – wir hatten das Thema mehrfach und wir beide waren sehr deutlich. Ist keine Seltenheit, dass man da einfach nicht ernst genommen wird, wenn man sagt, man will keine Kinder und die Chance auf Sinken der Fruchtbarkeitschance ist irrelevant… immerhin: „Der Prinz kommt schon noch“ 😉

      Danke dir 🙂

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  2. Danke. Ich hatte letzte Woche auch eine Abtreibung und habe mich im Zuge dessen sterilisieren lassen. Selbst als 35Jährige Mama von 2 Kindern wirst du immer wieder gefragt, ob du es willst. Es ist doch so toll schwanger zu sein, ich könne das doch nicht wegwerfen. Es kotzt mich wirklich so an, dass es Frauen so schwer gemacht wird. Es ist echt unfassbar.

    Da muss sich echt was tun, denn als Mann bekommst du doch unkomplizierter an eine Vasektomie.

    Dir alles Gute, mach weiter so!

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    1. Danke, dass du das teilst! Krass, dass es sogar noch Thema ist, wenn man schon Kinder hat. Da ist wirklich so immenser Bedarf an Aufklärung über Schuldgefühl, Entscheidungsfreiheit und weiß Gott noch was…. Danke dir – und das wünsch ich dir auch! ❤

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  3. Der Anästhesist und der Arzt?Anästhesisten sind auch Ärzte 😉
    Facharzt für Anästhesie/Facharzt für Gyn&Geb.

    Wie viel hat die Geschichte denn gekostet, wie viel mehr durch die Narkose?

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    1. Wollte ich nie in Abrede stellen, mea culpa. ❤ 390,- insgesamt (auf Twitter darüber geschrieben, steht in den Threads) – Narkose hat tatsächlich nicht mehr gekostet.

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  4. Habe über Twitter her gefunden und da auch die letzten Jahre mitgelesen, wollte aber nicht auf Twitter öffentlich dazu kommentieren, deswegen hier anonym 😉

    Danke für deinen langen Beitrag.
    Viele deiner Erfahrungen, die du beschreibst, hätten 1zu1 von mir sein können.

    Ich bin 35 und freiwillig kinderlos, habe mir vor 5 Jahre die Gynefix unter Narkose legen lassen, die wurde nun entfernt und zugleich eine Sterilisation durchführen lassen. Die Gynefix war der Kompromiss, da mich mit 29/30 kein Arzt sterilisieren wollte, insofern habe ich im Frust die 5 Jahre mit der Gynefix eben als Übergangslösung und abschließende Bedenkzeit gesehen.

    Was soll ich sagen, die „biologische Uhr“ habe ich nicht ticken hören in den letzten 5 Jahren, obwohl ich sehr genau hingehört habe. Ja, ich habe mich sehr aktiv mit Themen auseinandergesetzt, wie ein Leben mit Kindern sein kann, welche schönen und negativen Seiten es gibt, wie ein kinderloses Leben im Alter aussehen kann.

    Mittlerweile bin ich der Meinung, dass das die „tickende biologische Uhr“ ein Klischee ist. Ein gesellschaftlich geformtes Märchen, dem ohne die Anfeuerung durch das ewige Gerede darüber jegliche Basis fehlt.

    Mittlerweile bin ich auch der Meinung, dass den jungen Frauen mit dem ewigen „Vielleicht änderst du noch deine Meinung!“ eine Unsicherheit in die eigene Entscheidungsgewalt eingeredet wird, die es ohne den sozialen Druck gar nicht gäbe – womit nagender Zweifel, wie eine Infektion, schon beinah in schizophrenen Zügen in der Psyche verankert wird und Zurechnungsfähigkeit damit unterwandert wird, dass die eigene Entscheidung wieder und wieder von Außen hinterfragt wird. Frauen können sich im Gesicht tätowieren lassen, sonstige Operationen (Schönheitschirugie) an sich vor nehmen lassen, sich bis zu ihrem Lebensende mit Krediten hoch verschulden – ohne das irgendwer oder irgendein Mann die Entscheidungsgewalt hinterfragt, aber bei der Kinderfrage gelten sie als nicht zurechnungsfähig.

    Danke für deine offenen Worte zu allen Themen!

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  5. Danke!
    Ich ermutige alle Frauen sich über hormonfreie Alternativen schlau zu machen. Es gibt eine sehr gute Bloggerin und Frauenärztin, Dorothée Struck, die ausgezeichnete Infos zu hormonfreier Verhütung hat.
    Ich persönlich habe lebenslänglich So gut wie Hormonfrei verhütet, mit Kondom Diaphragma, Kupferspirale und Kupferkette und inzwischen Eileiter unterbrochen. Mein Ausflug zur „ach ist doch so harmlos„ Hormonspirale fällt (zufälligerweise???….) genau in die Zeit meines Lebens in der ich eine Depression hatte.

    Ärzte, die bei einer Kupferspirale behaupten, sie könnten sie nicht legen, weil die Person noch keine Kinder gehabt hat, kennen sich nicht aus. Dann bitte zu einem besseren Frauenarzt wechseln.

    Ärzte, die Erfahrung mit Kupferspirale oder Kupferkette haben, messen vorher aus. Kupferspirale gibt es in unterschiedlichen Größen und die können angepasst werden. Wer das nicht tut oder ablehnt… Siehe oben. Arztwechsel. Frauen haben die beste Betreuung und Verhütung verdient.

    Danke Ophelia fürs teilen, auch die Berichte über die absolut übergriffig und respektlosen Kommentare der Ärzte.
    Ich habe die Kupferkette damals ohne Betäubung legen lassen und fand es erträglich

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    1. Danke für den Input! Unglaublich wichtig, sich dazu auszutauschen und auch Arztwechsel zu empfehlen, wenn XY nicht oder falsch geraten/gemacht/usw wird.

      Danke dir 🙂

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  6. Aha, wieder eine von den besonders Empfindlichen. Sogar auf Worte reagiert sie empfindlich. 😀

    Der Arzt ist der Knaller. Tut mir leid, dass du sowas erleben musstest. Ich habe die gleiche Laufbahn: nach zehn Jahren Hormonspirale aus eigener Recherche heraus zur Kupferkette gewechselt, ebenso mit Gyn-Wechsel (FrauenärztIN), aber ohne Narkose.

    Ja, das war schon deutlich schmerzhafter als das Legen der Mirena obwohl sie im Vorgespräch erklärte, die Methoden unterscheideten sich nur in der Wirkungsweise, vom Einlegen her sei beides gut vergleichbar. Während des Eingriffs sprach sie von gekrümmter Gebärmutter weshalb sie nicht so leicht durchkäme. Somit kann man auch trotz dem Muttersein (und dem damit verbundenen angeblichen weicherem Muttermund-Bindegewebe – keine Ahnung, mein Kind kam per Kaiserschnitt) Schmerzen beim Einlegen haben. Der lange Kampf des Einlegens war auszuhalten, hatte ich im Geburtsvorbereitungskurs ja gelernt Schmerz rauszuschreien und wegzuatmen, aber man muss es nicht erlebt haben.

    Hast alles richtig gemacht.

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  7. Danke für den toll geschriebenen Text. Und großer Respekt dass du zu dem Arzt nein gesagt hast weil dein Gefühl nicht gut war, das war sicher verdammt schwer und wahrscheinlich auch total richtig. Mich würde mal interessieren ob du überlegt hast etwas zu dem Arzt zu sagen als du gegangen bist, oder ob du dir überlegt hast dass es sowieso nichts bringt weil da (wahrscheinlich) keinerlei Selbstreflektion vorhanden ist.

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