„Du weißt selber, wie nett ich bin“, oder: Eine linguistische Analyse der Übergriffigkeit

Einleitende Worte

Keine Ahnung, wie ich diesen Beitrag anfangen soll. Dass ich ihn überhaupt schreibe, ist schon eine Sache für sich.
Ich meine, es gibt etliche Beiträge, Screenshots, Aufklärungsarbeit, Tweets, Posts und Erklärungen darüber, wie scheiße Männer sein können. Wie übergriffig, wie gefährlich, wie… lassen wir das. Alle, die mich lesen, wissen das. Ich wende mich nicht an ein unaufgeklärtes RTL II – Publikum, das am Ende dieses Beitrag staunend und pseudo-schockiert auf den Bildschirm starren wird, 2,36 Minuten darüber lamentiert, wie schlimm das doch ist, was Frauen so erleben müssen und dass man ja keine Ahnung hatte, nur um anschließend genauso weiterzumachen wie bisher.

Nein, ich behaupte, der Schnitt meiner LeserInnen weiß um diese Themen. Weiß von der Gefahr, der Übergriffigkeit, des negativen Potentials vieler Männer da draußen, weiß aber zugleich, dass eben tatsächlich nicht alle Männer so sind, wenngleich diese Phrase heutzutage für viele – einschließlich mich – oft nicht mehr ist als ein nervtötendes Geräusch in den Ohren, denn… jahaa, natürlich sind nicht alle Männer so, we know that. Aber ein immens großer Teil aller Männer ist es nunmal und dieser Teil ist so groß, dass man darüber sprechen muss.
Meiner Erfahrung nach reden übrigens alle Männer, die NICHT zu diesem Teil gehören und die um die Relevanz des Themas wissen, sehr gern und sehr konstruktiv in dieser Debatte mit, sind sich einig und unterstützen alle Beiträge dieser Art. Männer, die NICHT zu diesem Teil gehören, Männer, die Frauen tatsächlich mit Respekt behandeln, Männer, die auch öffentlich sofort einschreiten würden, wenn sie einer solchen Situation gegenüberstehen und sie erkennen würden, sagen nicht „Aber nicht alle Männer…!“ – die wissen das und die wissen, dass wir das wissen. Und vor allem wissen die, dass es darum gerade auch einfach nicht geht.

Anyway – am Sonntagabend war ich in einem öffentlichen Raum unterwegs, bin einem Mann begegnet und habe Blickkontakt aufgebaut, zugelassen und gehalten – ihr kennt das. Das Flirten mit Blicken, einfach so, zum Spaß. Ich liebe das. Realistischerweise muss frau dann natürlich damit rechnen, dass sie auch angesprochen wird. Ich meine, sind wir ehrlich: Ich muss einem Mann nicht durch Blick und Lächeln zu verstehen geben, dass ich offen für eine Kontaktaufnahme bin und mich dann beschweren, dass er (höflich) nach meiner Nummer fragt – auf neutralem Boden, mit neutralem Verhalten ist das ein Thema, zu dem in meinen Augen zwei gehören.

Jedenfalls kam er anschließend auf einem größeren Parkplatz zu mir, auf dem Weg zu seinem Auto, und sprach mich an:

„Hey, sorry… kann ich dich was fragen?“

„Klar“, war meine Antwort, ich lächelte dabei.

„Kann es sein, dass du bei Firma XY arbeitest?“

„Nein, sorry.“

„Oh okay, dann hab ich dich verwechselt.“

„Kein Ding“, ich lächelte noch immer, drehte mich zu meinem Auto.

Er zögerte, ganz offensichtlich war das nicht die eigentliche Frage gewesen, aber er hatte noch nicht den Mut, damit rauszurücken. Er wandte sich ab, lief zu seinem Auto und stieg ebenfalls ein. An der Ausfahrt des Parkplatzes stellte er sich neben mich, kurbelte das Fenster runter und rief mir zu:

„Kann ich trotzdem deine Nummer haben?“

Ich grinste.

Ganz ehrlich? Ich fand ihn attraktiv und nicht unsympathisch – in erster Linie aber sagte ich Ja, weil ich es mag, wenn ich merke, dass Männer über ihren Schatten springen und weil ich ernsthaft (!) finde, dass man das ab und zu belohnen sollte. Das bedeutet jetzt NICHT, dass ich Frauen dazu rate, häufiger ihre Nummer herauszugeben! Das kann auch durch ein freundliches Lächeln passieren, durch ein 3-Sätze-Gespräch an einer Bar, durch das Achten auf den eigenen Gesichtsausdruck, der manchmal schon (verständlicherweise) kategorisch abweisend wirkt, wenn man angesprochen wird. Ich bin davon überzeugt, dass zu diesem Spiel zwei gehören und dass wir (Frauen) nichts davon haben, wenn wir Männer kategorisch abweisend behandeln, weil das ausschließlich zu Frust führt und wir dabei am Ende des Tages ebenfalls die Leidtragenden sind. Damit ist keinem geholfen. In diesem Augenblick war ich der Sache generell nicht abgeneigt – der ausschlaggebende Punkt war dann, dass ich merkte, dass er sich wirklich überwunden hatte und das mochte ich. Ich rief ihm meine Nummer zu, sagte ihm meinen Vornamen und fuhr los, als die Ampel grün wurde.

Etwa sieben Minuten später fuhr ich auf die Hauptstraße meines Stadtteils und bemerkte im Rückspiegel, dass der junge Mann noch immer hinter mir herfuhr. Die Wahrscheinlichkeit, dass er in derselben Richtung wohnte, war nicht gering, aber Erfahrung hat mich eben gelehrt – also bog ich ab, zwei Straßen von meiner eigenen entfernt. Er verlangsamte, sah mir nach, fuhr dann weiter. Nun ja, unschuldig bis zum Beweis der Schuld, nicht wahr?

Haha.

Die folgenden 24 Stunden sind ein absolutes Lehrbuchbeispiel für eine gewisse Art von Mann. Die Art Mann, die dich innerhalb weniger Stunden „Baby“ und „Kleines“ nennt, dir charmante Komplimente macht und dich dann, wenn du am Ende eben doch höflich Nein sagst, als „dumme Nutte“ beschimpft oder schlimmer.
Es ist keine Ausnahme, in gewisser Weise eher der Standard und tatsächlich einer der Gründe, weshalb ich mich nicht mehr auf Männer einlasse, die mit BDSM nichts zu tun haben. Es geht mir nicht um BDSM, ich könnte mir auch mit einem Vanilla-Menschen super viel vorstellen. Nein, es geht um die Aufgeklärtheit. Um die Art, mit Frauen  bzw. mit Menschen und ja, auch mit Sexualität umzugehen.

Auf der einen Seite sind Männer (auch hier sind bei Weitem nicht alle perfekt), die durch gewisse Szenen und/oder Kontakte gelernt haben, offen zu kommunizieren, sich mit Sexwork und Kink, mit Polyamorie und alternativen Beziehungskonzepten auseinandersetzen, die direkt kommunizieren und für die Frauen nicht sofort Schlampen sind, nur weil sie Wert auf regelmäßigen und guten Sex legen und wissen, was sie wollen.
Und auf der anderen Seite stehen diese 08/15-Idioten, die noch immer zu glauben scheinen, dass man Frauen „erobern“ muss, dass man „Mann sein“ und einer Frau zeigen muss, wo es lang geht. Die behaupten, sie „ficken hart“, aber nie etwas von Konsens gehört haben. Die „offen für alles“ sind, aber beim Thema Analspiele schreien, sie seien doch nicht schwul. Die in ihr Tinder-Profil schreiben, sie seien dieses „dominant“, aber ihre Kommunikationsstrategien aus der PUA-Szene haben.

Diese Typen sind es, die das Bild von Männern allgemein verzerren.
Diese Typen sind es, die allen anderen, Frauen und Männern, den Spaß am Spiel des Flirtens verderben.
Diese Typen sind es, die erst harmlos wirken, aber ernsthaft gefährlich werden können.

Ich möchte euch heute zeigen, wie ihr diese Typen relativ frühzeitig erkennt – und zwar am Lebendobjekt, wenn man so möchte. Anhand anonymisierter und teils verfälschter und geschwärzter Screenshots, in Kombination mit Erklärungen und detaillierten linguistischen Analysen.

Denn ja, Bauchgefühl ist das eine und erfahrungsgemäß funktioniert das bei Frauen recht gut, aber… im Zweifel sind konkrete Hinweise eben einfach nicht verkehrt.

Phase 1: Anfänglicher Smalltalk

Wie gesagt, ich lasse mich selten auf Männer ein, die ich nicht in irgendeiner Form über Kontakte aus gewissen Szenen kenne – es geht einfach regelmäßig schief. Aber im Schnitt etwa ein oder zweimal im Jahr kommt es irgendwie eben doch dazu. Weil ich nicht verschlossen sein will, weil ich denke, dass auch andere eine Chance verdienen, in diese Szenen zu kommen, sich aufklären zu lassen, ihren Horizont zu erweitern und weil ich anscheinend ein hoffnungsloser Optimist bin.
Meine letzte Erfahrung in diese Richtung war Salsa-Guy – mit dem ich sogar Sex hatte, der wirklich gut war, der dann aber ebenfalls in eine komische Richtung abgedriftet ist, die mir so schnell too much wurde, dass ich es abbrach, noch bevor ich darüber bloggen konnte. Was mir – zugegeben – manchmal ebenfalls Spaß macht, ist das Provozieren. Gerade bei Männer, die ich… sagen wir, nicht ganz verkehrt, sondern generell für potentiell spannend halte, aber die einfach ein bisschen zu dick auftragen, sich einfach selbst ein bisschen zu sicher sind, sich ein bisschen zu gut finden und ein bisschen zu sehr von sich überzeugt sind – ihr wisst schon, diese „ich bin schon ziemlich cool im Vergleich zu den meisten anderen und bisher hat sich keine Frau über den Sex beschwert und alle kommen immer sehr schnell, allerdings hab ich auch noch nie drüber nachgedacht, dass manche Frauen die Konfrontation mit mir scheuen, weil ich nicht kritikfähig bin und dann lieber den Orgasmus faken„-Typen.
Bei diesen Männern provoziere ich gern. Ich konfrontiere sie gern mit ihren eigenen überdimensionierten Eiern, die sich metaphorisch vor sich hertragen, als bräuchten sie kein Fitnessstudio, weil die Gewichte krass genug sind.

Ich genieße die Reaktionen solcher Männer auf Erzählungen darüber, dass ich mal als Domina gearbeitet habe, dass ich in der BDSM-Szene bin, dass ich switche, dass ich Männer in den Arsch ficke, whatever. Selten halten Männer das, was sie versprechen: Souveränität. Meistens folgen andere Reaktionen.

Die Konversation mit unserem Paradebeispiel hier fing genau so an: Smalltalk, der schnell offensiv wurde und bei dem ich mir erlaubte, ein klein wenig Spaß zu haben. Fangen wir also mit einer kleinen Analyse meiner Konversation an:

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Angesichts der Tatsache, dass er mir zehn Minuten hinterher gefahren ist, mochte ich die Frage nicht, ob ich in Stadtteil XY wohne (was stimmte). An dieser Stelle glaubte ich aber noch an das Gute, ignorierte die Frage geflissentlich, möchte aber darauf hinweisen, dass es unglücklich bis creepy sein kann, wenn die erste Frage impliziert, dass ein fremder Mann weiß, wo man wohnt.

Lektion 1.1: Persönliche Informationen wie Nachname, Wohnort, Adresse, Arbeitsstelle haben in den ersten Gesprächen mit fremden Menschen nichts verloren. Wenn euch darauf jemand anspricht: bei Wohlwollen ignorieren, ansonsten höflich vermerken, dass ihn/sie das (noch) nichts angeht.

Tipp: Selbst wenn ihr solche Fragen ignoriert und sie für harmlos befindet, solltet ihr im Hinterkopf eine kleine Liste mit solchen Details führen. Speichert es einfach ab – im besten Fall könnt ihr die Liste irgendwann löschen, im schlimmsten Fall merkt ihr beim dritten Detail, dass hier etwas komisch ist.


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Formulierungen wie

  • „gefällt mir“
  • „du enttäuschst wirklich nicht“
  • „ich steh auf Frauen wie dich, die…“
  • „mag ich“
  • Usw.

….haben eine Sache gemeinsam: Sie stellen das Bedürfnis des Sprechers in den Mittelpunkt. Es sind nicht einmal richtige Komplimente, auch wenn sie vielleicht so wirken mögen: Nein, streng genommen liegen Welten zwischen „du bist hübsch“ und „du gefällst mir“. Wenn man dafür einmal sensibilisiert ist, kann man diese Formulierungen nicht mehr überlesen. Der Unterschied liegt auf dem Gefühl, das eine solche Aussage in der Frau auslöst. Ein aufrichtiges Kompliment führt dazu, dass der Empfänger sich geschmeichelt, in irgendeiner Weise schlicht positiv fühlt. Diese Aussagen allerdings triggern zwei klassische, tief sitzende, anerzogene Bedürfnisse von Frauen:

Zu gefallen und nicht zu enttäuschen. 

Das Gegenbeispiel funktioniert natürlich entsprechend:

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Lektion 1.2: Überlegt euch bei jedem Kompliment, das ihr bekommt, ob der Inhalt vermittelt, dass IHR unabhängig vom Gegenüber eine positive Eigenschaft habt oder ob er vielmehr vermittelt, dass ihr eine gewisse Aufgabe in eurem Frausein erfüllt – nämlich, dass ihr einen Mann nicht enttäuscht oder ihm gefallt. 

Tipp: Ich weiß aus Erfahrung wie tief man manchmal getriggert werden kann, wenn man das Gefühl hat, jemanden zu enttäuschen, nicht zu gefallen. Das kann auch bei einem noch so Fremden ein merkwürdig tiefsitzendes Bedürfnis danach wecken, die Enttäuschung zu korrigieren, sich wieder beliebter zu machen. Es hat mich Jahre gekostet zu lernen, dieses Bedürfnis einfach… auszuhalten. Es zu erkennen und es bewusst zu ignorieren – und mich dann umzudrehen und die Menschen hinter mir zu lassen, die es erzeugt haben. 

 

Phase 2: Sexualverhalten ausloten

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Klar geht es oft relativ schnell darum, wie man(n) denn nun „einen wegsteckt“. Prinzipiell nichts Schlechtes – wenn mir ein Typ zusagt, bin ich gern offensiv und brauche keine 3 Dates, um mich „emotional einzulassen“. Ich habe nicht häufig wechselnde Sexualpartner, aber wenn ich intuitiv merke, es passt, dann verschwende ich da auch nicht viel Zeit. Ich will damit sagen, dass offensives Flirten nicht zwingend etwas Schlechtes ist, vor allem, wenn beide Seiten mitmachen.
Nein, auffallend hier ist ein diesem Verhalten zugrunde liegendes Mindset, das in genau einem Wort zum Vorschein kommt: „erobern“. Häufig hört die „Eroberung“ aber nicht beim „höflichen Tür-Aufhalten und sich durch Aufmerksamkeiten bewähren“ auf, sondern geht weiter. Nicht selten so weit, dass einem nachgestellt wird, Grenzen missachtet werden, man mit Nachrichten bombardiert wird und vor allem: Dass durch die bisherige Bemühung spätestens bei einem Nein die Erwartungshaltung zum Vorschein kommt.

Lektion 2.1: Männer, die noch immer der rückschrittlichen, sexistischen Illusion anhängen, sie müssen eine Frau „erobern“, sind mit Vorsichtig zu genießen. Es sind  oft diese Männer, die glauben, eine gewisse Investition (von Zeit, Aufwand, Geld, Energie, …) sollte auch eine gewisse Gegenleistung erbringen – Männer, die häufig mit einem Nein besonders schlecht umgehen können.

Tipp: Die Grenze zwischen „Bemühen“ und „Aufdringlichkeit“ ist häufig eine sehr schmale und durchaus subjektive. Sobald ihr ein komisches Gefühl im Magen habt, wurde eine Grenze mindestens angekratzt. Weist euer Gegenüber höflich, ein einziges Mal und sehr klar darauf hin. Im besten Fall hat er in guter Absicht die Grenze einfach nicht erkannt und hält sich in Zukunft daran. Wenn nicht, könnt ihr davon ausgehen, dass sich auch an andere Grenzen nicht gehalten wird… 


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Wer mich kennt, weiß natürlich, dass das ernsthafte Interesse spätestens an diesem Punkt verflogen war. In der Zwischenzeit hatte ich ihm auch erzählt, dass ich in der BDSM-Szene unterwegs bin, dass ich mal als Domina gearbeitet habe und dass ich – wie hier zu sehen – Abwechslung brauche in meinem Sexleben.

Ein absolutes Nogo sind in meinen Augen Männer, die…

  1. …in der ersten Flirtkonversation Dinge wie „Baby“ oder „Kleines“ sagen.
  2. …beim Fallenlassen des Stichworts BDSM nicht in eine offene „Wir reden über Tabus und Grenzen“-Kommunikation gehen, sondern fragen, wie hart man gern geschlagen werden würde oder wie tief man den Schwanz gern im Rachen hätte.
  3. …einem das trügerische Gefühl von „Du kannst mir vertrauen“ und „Ich bin offen für alles“ vermitteln.

Lektion 2.2: Vorsicht bei Männern, die Begriffe wie „Baby“ oder „Kleines“ im frühen Stadium des Kennenlernens verwenden. Ich persönlich habe das bislang ausschließlich bei Männern erlebt, die keinen bis wenig Respekt vor Frauen haben und durch die Welt laufen mit der inneren Haltung, dass jede Frau ihnen potentiell zur Verfügung steht. 

Tipp: Bei Wohlwollen würde ich ihn explizit darauf hinweisen, dass ihr das nicht mögt. Wichtig und entscheidend ist dann aber die Reaktion darauf: Verständnis/ Entschuldigung, nur ein kurzes Abnicken oder vielleicht sogar ein „du bist aber empfindlich“.

Lektion 2.3: Von BDSM will ich hier nicht einmal anfangen, das führt zu weit. Grundsätzlich gilt einfach: Wenn das Thema darauf fällt und ein Mann…

  • behauptet, dominant zu sein
  • offensiv nach konkreten Techniken fragt und „ob ihr das wollt“
  • euch plötzlich beleidigt oder „Schlampe“ nennt, weil er glaubt, ihr wollt das so
  • euch anbietet, euch diese Welt zu zeigen und am besten direkt eine Session ausmachen will, ohne vorher über Tabus und Grenzen gesprochen zu haben

…könnt ihr das Gespräch im Grunde beenden, weil es nicht nur Mangel an Respekt und Ahnungslosigkeit beweist, sondern zudem die Unfähigkeit zu reflektieren, was im BDSM ein absolutes Nogo ist. 

Tipp: Wer behauptet, Ahnung zu haben, dürfte nicht aus dem Konzept kommen, wenn man ihn direkt danach fragt: Also woher er seine Erfahrungen hat, ob er Workshops besucht hat, auf Events war, mit BDSMlern in Kontakt steht oder in irgendeiner Form sein Wissen aus anderen Quellen als Fifty Shades of Grey hat. Wenn hier vernünftige Antworten kommen, kann man darüber reden. Wenn nicht oder wenn er defensiv wird und euch als jemanden hinstellt, der pedantisch, empfindlich, neugierig, ungehorsam, whatever ist… dann bleibt es wohl bei: Gespräch beenden. 

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Lektion 2.4: Männern, die eine Frau innerhalb der ersten Kennenlerngespräche darum bitten, sensible Infos, Bilder, Videos, private Erzählungen, sexuelle Vorlieben oder geheime Gedanken mit ihnen zu teilen und behaupten, man könne ihnen vertrauen, kann man nicht vertrauen. 

Tipp: Wer ein Bewusstsein dafür hat, wie sensibel Grenzen, Bilder oder Gedanken sein können, der bittet nicht zu früh darum, oder, wenn es der Kontext hergibt, betont dabei zumindest, dass ihm bewusst ist, dass das „vielleicht indiskret“ sein könnte und man nicht antworten muss. Wer drängt und pusht, hat dieses Bewusstsein nicht – ganz einfach. 

Phase 3: Das (erste) „Nein“

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Ich denke, die folgende Konversation spricht für sich.

Es waren etwa sieben Stunden vergangen, nachdem ich am Abend zuvor schon mehrere Anläufe gebraucht habe, die Konversation zu beenden und schließlich seine Nachrichten einfach ignoriert habe, weil ich arbeiten wollte. Ich muss an dieser Stelle fairerweise zugeben, dass längt absehbar war, dass ich kein Interesse hatte, aber ihn gern sanft „off the hook“ lassen wollte – die Wahrscheinlichkeit, dass man sich mal wieder über den Weg läuft, ist #ausgründen recht hoch, zudem kennen wir teilweise dieselben Menschen und ich will bei solchen Dingen in erster Linie meine Ruhe.

Morgens um 7 bereits die ersten Nachrichten zu schicken, war mir dann aber doch relativ schnell zu viel, merklich an meiner Antwort, die jeder halbwegs aufmerksame Mann sofort verstanden hätte: „Ich weiß es nicht/ Ich mache keine Pläne/ Lass uns schauen, ob man sich diese Woche mal über den Weg läuft.“ Nun gut, es war irgendwie absehbar, dass der Wink mit dem Zaunpfahl nicht funktioniert – übrigens in meinen Augen ein wichtiges Thema: Klare Ansagen.
Zugegeben halte ich es auch für vernünftige, reflektierte, anständige Männer mittlerweile für nicht ganz einfach, in der Datingwelt zu bestehen, weil häufig von ihnen verlangt wird, Grenzen erahnen zu können, zugleich aber immer postuliert wird, dass Grenzen subjektiv sind und von jeder/m selbst gezogen werden dürfen. Woher also sollen Männer das immer en detail wissen? Um diesem Dilemma vorzubeugen, halte ich es für essentiell, dass Frauen endlich (und ja, ich sage hier „endlich“, weil ich glaube, dass da  grundlegende Schwierigkeiten bestehen) lernen, klare Ansagen zu machen und deutliche Neins zu verteilen (als Ergänzung an dieser Stelle: Wer gleich die (nicht ungewöhnliche) Reaktion auf mein Nein sieht, wird mich verstehen, wenn ich sage, dass ich dennoch nachvollziehen kann, dass so viele Frauen Hemmungen haben, Nein zu sagen. Dieses „sag doch einfach Nein“, „mach doch einfach eine klare Ansage“ sagt sich so leicht, aber wenn die Folgen solche Dinge sind wie hier, dann kostet ein „Nein“ mehr Überwindung als sich so mancher vorstellen kann. Gerade deshalb ist es wichtig zu zeigen, wie man Nein sagt und mit entsprechenden Reaktionen umgeht).

Auf sein Ignorieren meines Zaunpfahlwinks und sein wiederholtes „Lass uns treffen“, wurde mir die Sache zu viel. Die Krönung war dann sein „Schick mir die Videos Schatzi“. Ich hatte keinen Nerv mehr, also kam die Ansage.

Und zwar eine zuerst sehr bedachte:
Das ist etwas völlig Subjektives, meine alleinige Haltung, die keiner von euch teilen muss. Ich verstehe ernsthaft jede Frau, die das anders handhabt und deutlich aggressiver vorgeht. Ich persönlich halte es so, dass ich mir bei der ersten klaren Ansage, dem ersten Nein nichts vorwerfen lassen können will. Heißt, ich formuliere sehr bedacht, höflich, fast schon nett, aber klar und deutlich.
Wer jetzt halbwegs Anstand hat (passiert an diesem Punkt selten), nimmt es einfach hin. Andernfalls wird es ab hier ungemütlich, aber – und das ist der springende Punkt – ich kann anschließend behaupten, dass ich mir nichts vorwerfen kann.

Lektion 3.1: Ob man nun höflich ist oder gleich eine gewisse Aggression mit in das „Nein“ einfließen lässt, ist wohl jeder selbst überlassen. Viel wichtiger ist in meinen Augen die Klarheit der Ansage selbst. Es darf kein „ich denke nicht, dass das bei uns passt“ sein und auch kein „ich glaube, ich muss nochmal drüber nachdenken“ sein. Entscheidend ist die folgende Reaktion. 

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Ziemlich abzusehen war hier leider die Reaktion: Zuerst Empörung und Vorwurf („das geht gar nicht“, „du kennst mich gar nicht“), dann die absolute Ignoranz „das sehen wir noch“). Beide sind ohne Wenn und Aber, ohne Zweifel, ohne Diskussion absolute Nogos und ein Zeichen dafür, dass ihr mit einem „nein“ die richtige Entscheidung getroffen habt.
Vorwürfe nach einem „Nein“ schlagen in dieselbe Kerbe wie das Triggern des Bedürfnisses zu gefallen und nicht zu enttäuschen. „Schuld“ hat die Frau, es wird versucht, ihr ein schlechtes Gewissen einzureden. Wer auf dieser Ebene ein Gespräch führt, bewegt sich bereits im Bereich der emotionalen Erpressung und der Manipulation. Einzige Konsequenz: Umdrehen und in die andere Richtung gehen.

Lektion 3.2: Wer auf ein Nein mit Vorwürfen, dem Erzeugen von Schuld und schlechtem Gewissen, Empörung oder anderen Formen der emotionalen Erpressung reagiert, wird auch in anderen Situationen ein „Nein“ nicht akzeptieren – das sollte euch alles sagen, was ihr wissen müsst.


Was ich persönlich fast noch schlimmer finde als die emotionale Erpressung (liegt aber vielleicht an meiner persönlichen Erfahrung und daran, dass ich für diese Form der Manipulation endlich nicht mehr wirklich anfällig bin, stattdessen aber meine Erfahrung mit Psychoterror und Stalkern habe) ist die völlige Ignoranz meiner Ansagen und die (für mich persönlich bei solchen Aussagen immer) implizierte Drohung.

Lektion 3.3: Wenn auf ein Nein und die Bitte bzw. die Ansage, dass kein (sexueller) Kontakt gewünscht ist, Aussagen folgen in der Art von „Werden wir noch sehen“, steht immer und automatisch die Bereitschaft des Mannes im Raum, ein Nein mit alternativen Mitteln umzudrehen oder zu umgehen. Erfahrungsgemäß ist der lakonische, ruhige Ton, die völlige Nicht-Beachtung von Aussagen des Gegenübers ein absolutes Warnsignal. 

Tipp: Das sollte der Punkt sein, an dem ihr (leider) darüber nachdenken solltet, euch auf ein eventuelles, zufälliges weiteres Treffen vorzubereiten. Ich beispielsweise habe an dieser Stelle jemandem Bescheid gesagt, der weiß, wann und wie lange ich an eben diesem Ort bin, an dem es sein kann, dass ich ihm wieder begegne. 


Phase 4: Hinter der Grenze

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Wer jetzt dachte, das war der ungemütliche Teil, ist vermutlich… nun ja, ein Mann.
Die meisten Frauen, die ich kenne, hätten die folgende Wendung vorhergesehen: Nämlich ein stetiger Wechsel von Strategien, um herauszufinden, was besser funktioniert: Charme, Einschüchterung, Drohung, Erpressung, Beleidigung und viele schöne Dinge mehr. Ab diesem Punkt gibt es hier auch keine „Lektionen“ mehr, keine „Warnsignale“ und keine „bei Wohlwollen“s mehr. Wenn ihr an diesem Punkt angelangt seid, geht es um Schadenbegrenzung, um die eigene Sicherheit, um die Akzeptanz, dass es übergriffige Arschlöcher en masse gibt und dass man hier absolut kompromisslos sein muss. Deshalb bringen wir den Rest jetzt einfach noch hinter uns…

Ich habe mir im Rahmen einer eigenen Strafanzeige einmal von einem Hauptkommissar erklären lassen, wie die Sache mit der Drohung bzw. Erpressung eigentlich konkret aussieht. Spannend dabei ist, dass man im Grunde absolut deutliche Drohungen aussprechen kann, ohne dass sie strafrechtlich relevant sind. Das wird es nur, wenn der „wenn…dann“ – Charakter entsteht. So wie hier zum Beispiel: „Schick mir Videos und ich verrate unseren sich überschneidenden Kontakten nicht, dass du diese Videos überhaupt hast“, umgekehrt und übersetzt also: „Wenn du mir keine Videos schickst, erzähle ich Leuten, du bist eine Nutte“.

Meine Reaktion war folgende:

 

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Die wenigstens Männer halten, was sie versprechen – das ist eine Grundregel. Die einfachste Variante ist, mit solchen Drohungen indifferent oder sogar offensiv umzugehen bzw. sie ins Leere laufen zu lassen. Allerdings möchte ich das nur raten, wenn das, was auf dem Spiel steht, kein übertrieben hoher Preis ist. Hier müsst ihr euch ein klein wenig auf eigene Einschätzungen verlassen. Im Zweifel rate ich immer: Auf keinen Fall auf Diskussionen einlassen, unbedingt blockieren und zwar (ganz wichtig!) auf allen Kanälen gleichzeitig. In welchem Ausmaß man hier aber wie reagiert, hängt von der Situation ab!

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Drohung Next Level ist natürlich die Erwähnung, dass ein Familienmitglied, enger Freund, whatever bei der Polizei ist und überhaupt würden die einen ohnehin nur auslachen, geschweige denn man würde ernst genommen werden – sure thing.
Meiner Erfahrung nach kann man solche Aussagen unter „große Fresse“ abspeichern und einfach ignorieren, vor allem in einem Erstkontakt bzw. bei jemandem, dem man nicht näher steht oder den man eigentlich noch kaum kennt.

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Hier wird es langsam psycho:
Der Vorwurf der Drohung wird umgekehrt, was häufig und gerade bei unerfahrenen, unsicheren oder jüngeren Frauen in Kombination mit der Aussage, dass man Kontakte bei der Polizei hat, schnell einschüchternd sein und tatsächlich auch Angst erzeugen kann. Gleichzeitig wichtig zu erkennen, dass hier eine Nachricht gelöscht wurde, weil er offensichtlich selbst sieht, was er da treibt. Für euch der Vollständigkeit halber – natürlich habe ich auch hiervon in einer Vorahnung einen Screenshot gemacht:

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Ihr seht, was hier passiert, oder?

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Dann folgt ein klassischer Wechsel zwischen einzelnen Strategien:

  • unterschwellige Drohungen
  • Einschüchterung
  • Wendung zurück zum Wecken von Sympathie und Vertrauen („du weißt doch, dass ich nett bin“)
  • Illusion von Verständnis und Entgegenkommen („musst du ja nicht“)
  • Reset, weil die Situation verfahren ist („wir vergessen die Sache einfach“)
  • Frust („keine Lust auf so ein Scheiß“)
  • letzte Versuche („Antworte doch“)

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  • die realitätsferne Rede von „Freunde bleiben“
  • Klarstellung, dass kein Interesse mehr besteht
  • Verzweiflung bei der Erkenntnis, dass keine Strategie funktioniert und man einfach nur ignoriert wird

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  • eine pseudo Entschuldigung
  • und… nun ja, wirres, frustriertes Gelaber aufgrund der Verzweiflung ob der Tatsache, dass man (worst case!) ignoriert wird

Hinweisen möchte ich hier lediglich noch auf die letzte Nachricht: den verzweifelten Versuch, die Oberhand zu behalten. Manchmal äußert sich das in dem klassischen „dumme Fotze“ und dem „dich will eh keiner“. An dieser Stelle ist es das absurde „lass mich in Ruhe“, um sich selbst das Gefühl geben zu können, er war derjenige, der den Kontakt unterbunden, also die Kontrolle, die Macht hat.

Und zudem auf das „war von beiden unnötig“, was kommunikationspsychologisch schon eine Glanzleistung ist und, um das Kind beim Namen zu nennen, abgefahren manipulativ, weil er damit das Gefühl erzeugen möchte: „Hm… Er ist ja auch in der Lage einen Fehler einzugestehen, jetzt sollte ich das ja auch tun – vielleicht hab ich ja auch einfach nicht klar/falsch/unhöflich/whatever kommuniziert“.


 

Sensibel, emotional und hysterisch – Ein Fazit

Das war die letzte Nachricht, die ich bislang von ihm bekam. Da er weiß, wann ich mich in etwa wo herumtriebe und fast genau, wo ich wohne, werde ich mich von der Situation nicht verrückt machen lassen, weil ich ihn tendenziell für harmlos halte – aber eben nicht für harmlos genug, um die Sache auf die leichte Schulter zu nehmen. Besonders hellhörig hat mich dieses mehrfache „das sehen wir dann“ und „wir klären das, wenn wir uns sehen“ gemacht. Gehört zu den Männern, denen ich nicht im Dunkeln auf einem großen Industriegebietsparkplatz begegnen will.

Anyway – ich möchte jetzt kein langes Fazit schreiben, keine Zusammenfassung, keine Moral von der Geschicht‘. Ich würde diese Konversation gern einfach so stehen und wirken lassen und dabei schlicht und ergreifend allen Frauen da draußen mitgeben, dass Bauchgefühl zwar wichtig ist, aber dass man bestimmte Dinge lernen kann.

Man kann lernen, sich nicht manipulieren zu lassen.
Man kann lernen, emotionale Erpressung zu erkennen.
Man kann lernen, Warnzeichen frühzeitig zu bemerken und zu reagieren.
Man kann lernen, wie man die übergriffigen Arschlöcher mit den eigenen Waffen schlägt oder zumindest aus gewissen Situationen mit möglichst wenig Schaden herauskommt.

Man kann lernen, nicht mehr auf die eigenen, anerzogenen Trigger zu hören, die Frauen dazu bringen, gefallen zu wollen, nicht enttäuschen zu wollen, sexy zu sein, fickbar zu sein, nett und freundlich zu sein, nicht emotional und empfindlich zu sein.

Sorry, aber… wenn mich ein Typ ungefragt anfasst, BIN ich empfindlich.
Wenn mich ein Typ nach einem Nein versucht zu erpressen, BIN ich emotional.
Wenn mir jemand das Gefühl gibt, dass ich enttäusche, Dinge falsch mache, Fehler mache, nicht gefalle, dann GIBT es nunmal einen Teil von mir, dem das nicht gefällt, der das korrigieren möchte, ja. 

ABER – und das ist der Kern hier: 

Es geht nicht darum, all diese Gefühle abzustellen, sondern darum, die Mechanismen dahinter zu erkennen und zu verstehen, wann welche Emotion mehr als angebracht ist und welche Emotion uns dazu verleitet, die falschen, uns selbst schadenden Dinge zu tun – und dann zu lernen, entsprechend zu handeln.

 

10 Kommentare zu „„Du weißt selber, wie nett ich bin“, oder: Eine linguistische Analyse der Übergriffigkeit

Gib deinen ab

  1. Vielen Dank für diesen Beitrag. Es ist (zum Glück) lange her, dass ich solche Unterhaltungen geführt habe, aber das beklemmende Gefühl dabei überkam mich beim Lesen gerade, als wäre es erst gestern gewesen.
    Ich lese seit einigen Monaten hier – und auf deinem alten Blog – mit und freue mich jedes Mal, wenn ich wieder einmal etwas von Dir lese, das hoffentlich vielen Menschen weiterhilft.
    Bitte mach weiter so!

    PS: Allein durch den Schreibstil dieses „netten Mannes“, seine vollendete Grammatik und Rechtschreibung, würde ich schon jegliches Interesse verlieren… aber da bin ich eigen 🙂

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  2. Mich würde interessieren, ob diese Kommunikationsstrategie auch im Zusammenhang mit einschlägigen Portalen, wie z.B. dem JoyClub zählen. Immerhin geht es da ja eben speziell um die eine Sache und es werden Bilder ziemlich offenherzig rumgereicht.

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    1. Das kann ich nur für mich persönlich beantworten: In meinen Augen sind manipulative/übergriffige Kommunikationsstrategien genau das, unabhängig von der Plattform. Ob mich bei Joy jemand emotional erpresst oder auf Whatsapp, ist mir völlig egal. Es ist, was es ist.

      Wie das mit Bildern ist, muss, denke ich, ein Stück weit jeder für sich selbst entscheiden. Der Unterschied von dieser Situation zu Joy ist ja, dass es hier ein völlig Fremder, wortwörtlich von der Straße ist, während ich bei Joy ja bereits einen Teil von mir (oft auch mit BIldern) ohnehin bereits preisgegeben habe.

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  3. Wunderbar auf den Punkt gebracht und nachvollziehbar dargestellt. Ich hoffe sehr, dass viele ( vor allem junge) Frauen diesen wichtigen Artikel lesen! Danke Ophelia

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  4. Hey Lia,

    wie immer sehr intressant und aufschlussreich geschrieben. Ich finde es erschreckend wie weit es tatsächlich mit meinen „Geschlechtsgenossen“ geht, dass ihr schon so genau aufpassen müsst.
    Gerade weil man für gewöhnlich immer nur einen, maximal zwei Screenshots von so einem Nachrichtenverlauf sieht wirken auf mich die darin Probleme häufig „nicht so schlimm“ (was nicht heißen soll das ich sie als „unwichtig“ oder übertrieben empfinde, es fehlte schlichtweg der Vergleich wie soetwas im ganzen abläuft, zumindest für mich).

    Nun tatsächlich eine, eher zwei Fragen meinerseits:

    -Erstens: Wenn ich parallelen zu mir, bei einigen Taktiken die der männliche Part angewendet hat, bedeutet dass gleichzeitig das ich auch ein Mensch bin vor dem Frau sich in Acht nehmen muss? (Ich weiß das ist aus der Ferne und generell eher schwierig zu abzuwiegen daher würde mir ein Bauchgefühl dahingehend völlig reichen, nur damit ich weiß das ich was ändern muss).

    -Zweitens: Was kann ich als Mann tun wenn ich soetwas mitbekomme? Also klar in Chatverläufen hab ich gar nix mitzureden aber in der Öffentlichkeit? Und also dahin gehend die Frage die ich mittlerweile glaub ich häufiger gestellt habe, Wie sollte/kann ich mich verhalten was das flirten näher kommen angeht, denn wie du selbst beschreibst blockst du (und dementsprechend auch andere Frauen) automatisch bei einem Nettgemeinten Kompliment oder ähnlichem ab. Also woran erkenne ich wann es ein „Schutzreflex“ ist und wann es ein „wirkliches Nein“ (ich weiß doofe Formulierung, mir fällt nur keine bessere ein) ist?

    Vielen Dank für deine Aufklärungsarbeit und dafür wieviel ich durch dich schon gelernt habe.
    Marcel Niemann

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    1. Hallo Marcel,
      ich bin nicht die Autorin. Aber ich würde dir gerne erläutern, dass wenn du ähnliche Fehler beim Kennenlernen machst, dir hier wohl keine Frau Tipps geben möchte, wie du Strategien entwickeln kannst, bei der Frauenjagd besser abzuschneiden.

      Feingefühl bringst du mit und punktest oder es fehlt dir und du gehst leer aus. So ist das im Leben. Wer nichts wird wird Wirt.

      Was gleich in deiner zweiten Frage zum Vorschein kommt, dass die Feingefühl gänzlich zu fehlen scheint. Eine Frau mit Schutzreflex hat aus welchem Grund auch immer gerade kein gutes Gefühl beim Flirten. Dann lässt man sie in Ruhe – punkt. Auch da benötigt man keinerlei Strategien, um gegen ihre (wenn auch nur momentane) ablehnende Einstellung manipulativ zu werden.

      Sagen wir mal so:
      Du willst auch nicht 24/7 dein Lieblingsessen gefüttert bekommen. Irgendwann bist du auch einfach mal satt, egal was vor die steht. Da ist es egal wie lecker du bist. Je mehr Druck einer gesättigten Lady gemacht wird, desto eher ist es ihr zum Kotzen.

      Meine Empfehlung lautet, so super dezent zu bleiben, dass auch frau die Möglichkeit hat einen Schritt (besser mehrere) auf dich zuzugehen. So bleibt es definitiv eine freiwillige spannende Sache, die beiden Prickeln bescheren kann.

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  5. Wirklich gut geschrieben. Und auch ein bisschen gruselig, wie viel man davon wiedererkennt. Obwohl ich nicht so massive Probleme mit solchen Typen habe (also weil ich meistens meine Ruhe habe, nicht weil ich sie toll finde). Oft wurde es mir erst im Nachhinein so richtig bewusst, wie manipulativ etc. solche Typen teilweise sind. Mit deinen angeführten Punkten wird einem das ziemlich schnell klar. Danke 🙂

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  6. Der Moment wenn man den Chatverlauf liest und merkt, dass man vor 15 Jahren noch selber so kommuniziert hat. („gefällt mir“ …) Immerhin ists bei mir nie über den Smalltalk eskaliert.

    Danke für den Augenöffner

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