10 Dinge, die Frauen in einem Sex-Ratgeber NICHT lesen wollen

Eine Antwort auf einen Artikel im Joyclub Magazin vom 26.02.2020

 

Nachzulesen hier
(erst lesen lohnt sich für’s Verständnis):

https://www.joyclub.de/magazin/sex/was_maenner_bei_einem_sex_date_wirklich_wollen.html

An die Joyclub-Redaktion: Eine direkt an euch gerichtete Stellungnahme ist im Anschluss an den Text zu lesen. Im Zweifel den eigentlichen Text also einfach überspringen und zum Ende scrollen.


 

Entgegen aller Gerüchte wissen nicht nur Frauen ziemlich selten, was Männer wollen. Auch Redakteure und andere schreibende Männer sind oft überfordert mit der Frage, was Frauen eigentlich anspricht – vor allem in Sachen Sex-Ratgeber auf Online-Plattformen. Aus diesem Grund habe ich hier (mit einem leichten Augenzwinkern) einen simplen und effektiven Leitfaden für die Ratgeber-schreibende Männlichkeit parat!


Was Frauen in einem Sex-Ratgeber lesen wollen:

Die Theorie

 

1. Ihre Wünsche

Wenn Frauen Sex-Ratgeber lesen wollen, wollen sie keine eloquenten Ausführungen darüber, wie sie selbst im Zusammenspiel mit einem Partner oder einer Partnerin mehr Lust erfahren können. Sondern – Erraten! – krude Sexismus-Storys von ü50-Männern.

2. Ihre Gefühle

Möglicherweise zeigt sie es nicht – aber ja, sie hat tatsächlich Gefühle. Beim Lesen von Ratgebern jedoch möchte sie sich nicht ernsthaft beraten fühlen. Sinnvolle Technik-Tipps, Hinweise darauf, wie man den eigenen Körper besser kennenlernt und Hilfestellungen wie man gut kommuniziert, sodass beide auf ihre Kosten kommen, dürfen gern weiter nach hinten verschoben werden. Sexistische Formulierungen, herablassende Begrifflichkeiten und egoistische Anforderungen dürfen hier durchaus vorkommen, auch wenn es ihr ein wenig aufstößt. Das bedeutet natürlich nicht, dass sie den Text nicht gern liest – es kann dann lediglich sein, dass sie sich gezwungen fühlt, darauf zu antworten.

3. Ihr Körper

Gewiss bereitet es ihr Vergnügen, wenn du ihr einen Text vor die Nase setzt, der in Theorie und Praxis aufgeteilt, mit Nummerierungen versehen ist und in ganzen Sätzen formuliert. Aber man kann es auch übertreiben. Anleitungen sind okay, aber bedenke, dass der Klimawandel naht! Übertreibe es also nicht, denn Frauen sind ohnehin nicht in der Lage, mehrere Sätze zusammenhängend sinngemäß zu erfassen. Am liebsten sind ihnen konkrete parataktische Ansagen und Forderungen, damit sie wissen, was sie zu tun haben, um Männer zufrieden zu stellen.

Allen Gerüchten zum Trotz hat sie im Übrigen mehr Sinn für Humor, als du denkst. Sexismus, herablassende Witze und verachtende Begriffe dürfen hier ruhig verwendet werden, solange du immer betonst, dass es „mit einem Augenzwinkern“ geschieht. Tipp: Achte unbedingt darauf, dass sie begreift, dass es umgekehrt einfach nicht lustig ist, sich bei Männern über Ego, Fehler oder Unzulänglichkeiten lustig zu machen!


Was Frauen in einem Sex-Ratgeber lesen wollen:

Die Praxis

1. Die Anbahnung

Frauen sind es gewohnt, Verantwortung zu tragen – mach ihnen also beim Schreiben deines Ratgebers ruhig klar, dass sie auch in Sachen Date und Sex die Verantwortung tragen und Fehler auf ihren Mist wachsen. Du musst es nicht mal konkret ausformulieren, aber du solltest signalisieren: Gespräche sind natürlich einseitig, ein Lächeln muss immer vom schönen Geschlecht ausgehen, bei den lasziven Blicken die Wimpern nicht vergessen, damit er sich auch angesprochen fühlt. Herrgott nochmal – du weißt doch, wie man mit Frauen spricht, wenn man einen Ratgeber verfassen möchte! Falls nicht, solltest du spätestens hier aufhören zu lesen …

Was Frauen nicht wollen:

  • Herablassende Begriffe, die promiskuitiv lebende Frauen beleidigen und Stigma fördern sowie groben Sexismus (Beispielsweise „Schlampen-Panik“ und sexistische Sprüche über Frauenparkplätze)
  • Die Grundannahme lesen, dass Frauen für die Qualität von Sex verantwortlich sind und durch einzelne Sätze vermeintliche „Fehler“ machen können sowie die implizierte Behauptung, dass gewisse Verhaltensarten bewusst manipulativ sind (beispielsweise die Bezeichnung „Taktik“ und „Strategie“ für das Zögern einer Frau und den Hinweis darauf, dass ein Mann bei zu langem Warten das Interesse verliert)
  • Überholte Rollenbilder (Beispielsweise das Märchen, dass nur Männer jeden Tag „kämpfen“ und Frauen ihnen das Leben doch wenigstens in Sachen Sex nicht noch schwerer machen sollen)

2. Das Ausziehen

Du brauchst dir keine besondere Mühe mit der Sprache zu geben, nüchterne Sachlichkeit reicht. Dein Sprachstil sollte jedoch der Absicht entsprechen. Plumpe Sex-Tipps wie das Vermeiden von Zähnen bei Blowjobs oder der Hinweis, dass Männer nach dem Sex einschlafen, sind angebracht. Pseudo-komplizierte Küchenpsychologie und hypotaktische Sätze für Inhalte auf BILD-Niveau in einem Ratgeber auf einem Online-Dating-Portal ebenso. Andere Nettigkeiten sparst du dir besser für später auf, wenn dich auch wirklich jemand ernst nimmt.

Die bewährten Sexismus-Sprüche, die du auch sonst bei deinen Jungs vom Stapel lassen würdest, wenn du willst, dass irgendjemand lacht, genügen vollkommen. Denke nur oft genug daran, dass Tampons dich verunsichern und du insgeheim Angst vor zu viel Verantwortung beim Sex hast – und verpacke es dann so, dass frau sich angesprochen fühlt und die Verantwortung dafür bei sich sucht. Tipp am Rande: Humor ist immer okay – außer wenn es um dein Ego geht!

Was Frauen nicht wollen:

  • Vorschriften darüber, wann sie sich wie wohlzufühlen haben (Bemerkungen darüber, dass Sex in einem angemessenen Zeitrahmen stattzufinden hat und nein-sagen unsexy ist)
  • Herablassung (Humoristische Versuche, Unsicherheiten von Frauen zu belächeln, während über die eigene Unzulänglichkeit nicht gelacht werden darf, wie beispielsweise über den Penis oder die eigenen Fähigkeiten)
  • Abneigung gegen jegliches Zeigen von Gefühlen (vor allem dann, wenn „Gefühle“ immer mit „ich liebe dich“ in Verbindung gebracht werden, statt zu begreifen, dass auch „ich fühle mich (un)wohl“, „ich habe (keinen) Spaß“ oder „ich brauche noch XY, um mich entspannen zu können“ ebenfalls Ausdruck von Gefühlen sind, die Männern übrigens bahnbrechend helfen würden, Frauen Orgasmen zu bescheren, wenn sie ernsthaft zu hören würden – und wir alle wissen, wie sehr gerade Männer das Gefühl brauchen, Frauen befriedigen zu können)

3. Die Kommunikation

Achte beim Schreiben eines Ratgebers für Frauen auf klare Ansagen, sonst verstehen sie dich nicht. Unmissverständliche Verbote und Anordnungen sind wichtig, immerhin machen alle Frauen dieselben Fehler und alle Männer stehen auf dieselben Dinge, das weiß doch jeder – nun ja, außer die Frauen offensichtlich. Halte deine Vergleiche simpel in der Hoffnung, dass auch Frauen ohne Uni-Abschluss alles begreifen und sich im besten Fall danach an dich wenden, immerhin: Dumm fickt gut, oder wie war das?

Ergänze deinen Text regelmäßig um Hinweise, die den heiligen Gral schützen: Die männliche Erektion. Bei allem Humor, allen Witzen, die man über Schlampen, Cellulite und weibliche Unsicherheit natürlich reißen darf: auf keinen Fall dürfen Frauen aus deinem Text etwas mitnehmen, das nachher vielleicht eine Erektion zu Fall bringen könnte. Das wäre fatal für Männer, deren gesamtes Ego auf der Standfestigkeit ihres Schwanzes aufbaut.

Was Frauen nicht wollen:

  • Verachtende Sprache über Verhaltensweisen beim Sex (Frauen niedermachen, die sich unsicher sind und zur Passivität neigen)
  • Keine Übernahme von Verantwortung (Klar, alles, was schief gehen kann, ist kategorisch die Schuld der Frau)
  • Klassischer Sexismus wie zum Beispiel das Anführen von Emotionalität als Kritikpunkt (als würde irgendeine Frau beim ersten Date Sätze von sich geben, wie „ich habe dich immer geliebt“)

4. Das Vorspiel

So zu tun, als würdest du auch vermitteln wollen, dass es nicht schlecht wäre, wenn sie bei alldem auch ein wenig Spaß hätte, ist schon okay. Du solltest aber grundlegend davon ausgehen, dass sie ein kleines Dummerchen ist und es wie alle Frauen lieber hat, mit forderndem Nachdruck behandelt zu werden als mit unsicherem Nachfragen. Du darfst in deinem Text auf keinen Fall zeigen, dass eigentlich du derjenige bist, der sich unsicher ist! Überspiele das einfach mit klaren Ansagen.

Was Frauen nicht wollen:

  • Männer, die beim Sex nur auf sich selbst achten (außer es ist einvernehmlicher BDSM, er ist authentisch dominant und man nimmt ihm Aussagen wie „Fass endlich meinen Schwanz an!“ auch tatsächlich ab)
  • Wenn kinky Tendenzen und eigene Vorlieben im Keim erstickt werden und verlangt wird, dass man experimentierfreudig ist – aber bitte nur in die Richtung, die er vorgeschlagen hat (Wenn jegliche Assoziationen mit Kink und den Rahmen sprengende Eigeninitiativen herablassend belächelt oder direkt durch den Dreck gezogen werden)

5. Die Genitalien

Dein Penis ist Excalibur und die Erektion der Heilige Gral – hier hört der Spaß auf. Vermeide auch jeglichen Sarkasmus, um das Risiko zu minimieren, dass auch nur eine Frau auf die Idee kommen könnte, etwas fälschlicherweise ernst zu nehmen. Du kannst nicht oft genug betonen, dass ein Schwanz mit absoluter Vorsicht und uneingeschränkter Aufmerksamkeit zu behandeln ist – immerhin weiß jeder, dass der Gute einen eigenen, von dem Mann, der an ihm dranhängt, unabhängigen Charakter hat und schnell eingeschnappt ist, was man keinesfalls riskieren darf.

Tipp: Verfalle hier am besten in Babysprache, dann begreifen auch die allerdümmsten Frauen, dass CBT auf keinen Fall nie nicht niemals Spaß machen kann (okay, außer ein bisschen Tease and Denial natürlich – wer findet es nicht geil, wenn frau sich stundenlang mit seinem Schwanz beschäftigt? Du darfst es nur keinesfalls „CBT“ nennen, weil du damit der passive Part in diesem Szenario wärst und dann wärst du ja quasi devot und damit schon halb schwul, dabei bist du doch EIN RICHTIGER MANN!)

Was Frauen nicht wollen:

  • Behandelt werden als hätten sie den IQ einer Topfpflanze und noch nie in ihrem Leben einen Schwanz gesehen.
  • Wenn Männer ihre eigene Unsicherheit auf dem Rücken von potentiellen Sexualpartnerinnen ausbaden.
  • Systematisch eingeschüchtert werden, indem Unsicherheit geschürt wird, Emotionalität verteufelt, Neugier verboten und jegliches Abweichen von dem vom Mann vorgegebenen Kurs als Fehler definiert wird

6. Soll ich? (Blasen)

Blowjobs sind natürlich die Kür, die Königsdisziplin! Es gibt einen goldenen Weg, den nur die wenigsten jemals zur Perfektion meistern und tausend Fallstricke auf dem Weg dorthin. Betone mehrfach, was man alles falsch machen kann und dass es sich lohnt, auf ein „du bläst gut“ ernsthaft hinzuarbeiten, denn ein größeres Kompliment gibt es für eine Frau nicht. Lecken, Küssen und Fingern sind ein Witz dagegen, eine logistische Fahrrad-Fahrt im Gegensatz zu einem Blowjob, der eher dem Helikopter-Schein entspricht. Propagiere zudem noch den Geschmack von Sperma, der auch mit Sahne und Eis mithalten kann (sobald sie merkt, dass das nicht stimmt, kann es dir ja bereits egal sein).

Natürlich weißt du insgeheim, dass das alles Bullshit ist und man beim Blasen zwar mehr oder weniger den Geschmack des Mannes treffen, aber im Grunde nicht viel falsch machen kann, solange man mit Sinn und Verstand rangeht und vielleicht die Zähne weglässt – und selbst das ist häufig kein KO-Kriterium. ABER: Lass das die Frauen auf keinen Fall wissen, sondern verkaufe diese Disziplin unbedingt weiterhin als den Endgegner, denn:

Verunsicherte Frauen sind bequeme Frauen, nicht wahr?

Was Frauen nicht wollen:

  • Von Männern hören „man sollte nur das tun, was man selbst auch gerne mag“, aber im selben Atemzug ausschließlich Anweisungen und Verbote lesen
  • Männer, die behaupten, es sei unsere Schuld, wenn uns ungefragt in den Mund oder ins Gesicht gespritzt wird, weil wir es darauf haben „ankommen lassen“
  • Emotionale Erpressung und Manipulation im Bett (das Gefühl bekommen, man sei „naiv“ und hätte es doch besser wissen, hätte doch gewusst, worauf man sich einlässt, wenn etwas passiert, was man nicht wollte)

7. Liebe machen (Ficken)

Das Kapitel „Sexstellungen“ kannst du getrost kurz halten, wenn du keine Fantasie hast. Beim Schreiben des Ratgebers bist du im Idealfall an der Stelle mit dem Blowjob und dem ins-Gesicht-Spritzen kurz gekommen – gönn dir beim Rest ein bisschen Ruhe, sonst schläfst du vor lauter Oxytocin noch ein und dein Ratgeber wird nie fertig.

Was Frauen nicht wollen:

  • Beurteilen und Bewertungen ihrer Vorlieben im Bett
  • Männer, die Frauen die Schuld geben, wenn sie es nicht schaffen, dass sie abschalten und sich entspannen kann.

 

8. Schmuddelzeugs (Schweinskram)

Schreibe in deinem Ratgeber nichts von „BDSM“, nachher kommt noch eine an und erwartet von dir, dass du dich tatsächlich mit dem Thema „Verantwortung“ auseinandersetzt. Nein, nenn‘ es lieber „experimentierfreudig“, betone aber gleich, dass alles, was dir nicht gefällt, „igitt“ ist.

Formuliere das obligatorische „lasst euch nicht unter Druck setzen“, führe dann aber aus, dass sie eigentlich genau das tun sollten, wenn es „zum Spiel“ gehört – immerhin… so sagt man das doch in diesem „BDSM“, oder?!

Was Frauen nicht wollen:

  • Männer, die „spielen“ wollen, aber keine Ahnung von BDSM, Grenzen, Verantwortung und Konsens haben.

9. Wenn’s kommt (Orgasmus)

Beim Thema Orgasmus ist es wie beim Thema „Erektion“: Betone unbedingt, dass das bei Männern nie, wirklich NIE Schwierigkeiten oder Probleme darstellt. Jeder Mann kann zu jeder Zeit und überall auf Kommando kommen, klar – sind ja Männer, hallo?
Wenn es also zu Schwierigkeiten, Verzögerungen oder Problemen kommt, MUSS es logischerweise ein Fehler der Frau sein. Offensichtlich, oder? Du weißt natürlich als Schreiber eines Ratgebers, dass auch das Bullshit ist, aber hey – lieber nach außen an dieser Illusion festhalten, sonst hören Frauen am Ende noch auf, den Fehler bei sich zu suchen und das würde bedeuten, Männer müssten sich tatsächlich mit sich selbst auseinandersetzen.

Was Frauen nicht hören wollen:

  • „Wenn er nicht steht, solltest du dich fragen, warum.“
  • „Wenn ich zu schnell abgespritzt habe, hast du es eben zu sehr drauf angelegt.“
  • „Wenn ich nicht kommen kann, hast du es eben zu wenig drauf angelegt.“
  • „Wenn ich mich unsicher fühle, liegt es vermutlich daran, dass du mir nicht genug versicherst, was für ein Hengst ich bin.“
  • „Wenn ich mich über deine Unzulänglichkeit lustig mache, ist das doch nur Spaß – warum verletzt du mich absichtlich, indem du mich fragst, warum ich so schnell gekommen bin? WARUM BIST DU SO HERABLASSEND?“

 

10. Hinterher (also danach)

Schreib noch ein kurzes Kapitel über die Minuten nach dem Sex – viele sind es ja nicht, weil Männer ohnehin nach kurzer Zeit einschlafen. Darüber könntest du natürlich ein paar Sätze verlieren. Zitiere am liebsten Eckart von Hirschhausen, der Oxytocin das „Kuschel-Hormon“ genannt hat – dass er dabei Männer mit Säuglingen verglichen hat, lässt du natürlich außen vor.
Betone einfach nochmal, dass auch hier jegliche Verantwortung von den Männern zu weisen ist, wenn sie die Augen nicht offen halten können. Erfahrungsberichte von Frauen, die nach dem Sex gute Gespräche mit Männern führen können, die selbst ihre Ruhe wollen, während er gern kuscheln würde, oder die sich darüber unterhalten, dass Männer nach dem Sex emotionale Geschichten aus ihrer Kindheit erzählen oder wie sehr sie unter dem Druck bei der Arbeit leiden, sind definitiv Mythen. Erfunden von Frauen, um Männer zu verunsichern.

Und was macht man als gestandener verunsicherter Mann?

Richtig: Man schiebt es auf die Frau (oder wahlweise auf die Hormone, wenn gerade keine Frau zuhört).

Was Frauen nicht wollen:

  • Männer, die ihren eigenen Körper nicht einmal so weit im Griff haben, dass sie respektvoll und in ganzen Sätzen kommunizieren können, dass eventuelle Müdigkeit nach dem Sex bei ihm normal ist. 
  • Männer, die erwarten, dass Frauen auch bei der zweiten Runde die Initiative ergreifen, damit sie nicht selbst das Risiko eingehen müssen, ein Nein zu kassieren. 
  • Männer, die 10-Punkte-Programme ausarbeiten mit herablassenden, sexistischen Pseudo-Hinweisen, diese dann mit Ratgeber betiteln und betonen, das sei doch alles nur Spaß, während sie sogar noch innerhalb eben dieses Textes auf Witze gegen sie selbst hinweisen und betonen, dass so etwas nicht lustig, sondern ein Zeichen von mangelnder Empathie und Respektlosigkeit ist.

 




 

Liebes Joyclub-Team,

vielleicht konntet ihr meine Antwort auf euren Artikel ja mit einem Augenzwinkern lesen.

Falls nicht: Gut.
Denn das würde bedeuten, dass ihr ihn als die Kritik wahrnehmt, als die er gemeint ist.

Ich habe letztes Jahr selbst einmal für euch geschrieben. Es war ein Artikel über Missbrauch in der BDSM-Szene, falls ihr euch erinnert. Schon damals war ich nicht mehr uneingeschränkter Fan eurer Plattform, weil sich im Laufe der Jahre, die ich nun bei euch bin, einiges verändert hat. Einige dieser Punkte haben sich in meinen Augen verstärkt, weitere sind dazugekommen, sodass ich mittlerweile zweimal darüber nachdenke, wenn ich (gerade Frauen) eine Dating-/Kontakt-Plattform empfehlen möchte.

Dieser Artikel ist in meinen Augen jedoch das Überschreiten einer neuen Grenze, die ich nicht erwartet hätte, weil ich euch bislang als zumindest sexpositiv wahrgenommen habe und prinzipiell offen für unkonventionelle Strukturen und Mechanismen.
Wie es also dazu kommen kann, dass ihr einen Mann einen Ratgeber verfassen lasst, in welchem so ziemlich jedes Klischee bedient wird, jeder Fehler begangen, jede Sexismus-Variation aufgeführt wird, ist mir ein Rätsel. Dass in eurer Redaktion niemandem auffällt, dass in diesem Text manipulative, missbräuchliche und emotional erpresserische Formulierungen verwendet werden, die ausschließlich darauf abzielen, Frauen in ihrer eigenen Unsicherheit zu bestärken, ist mir unbegreiflich.

Ich weiß nicht mehr, welches Frauenbild ihr vertretet – bislang hätte ich gesagt, es ist ein starkes, sexpositives, selbstbestimmtes.
Aber mit diesem Text richtet ihr euch an Frauen, die Orgasmen faken, damit der Mann glaubt, er habe sie befriedigt. Die mehr auf seine Wünsche achten als auf ihre eigenen oder das Zusammenspiel beider. Die Beleidigungen und Herablassung über sich ergehen und sich einreden lassen, sie würden „Fehler“ machen, wenn sie aus Unsicherheit heraus zur falschen Zeit zögern oder sich falsch bewegen, anziehen oder äußern.

Die sich anhören müssen, sie seien „naiv“ und hätten es doch „darauf ankommen lassen“, wenn der Mann ihnen ungefragt in den Mund spritzt. Das ist eine Beschreibung von Übergriffigkeit in einem Maß, hinter dem ich nicht stehen und das ich in keine Sparte noch so schwarzen Humors mehr einordnen kann. 

Ich hoffe auf eine Reaktion, eine Stellungnahme, eine Erklärung dazu von eurer Seite. Die Antwort auf die Frage, weshalb ihr eure Reichweite für solche Aussagen nutzt.

Noch mehr hoffe ich darauf, dass ihr an dieser Stelle tatsächlich mit sachlichen Begründungen antwortet und nicht mit einem einfachen „das muss man mit einem Augenzwinkern lesen“.

Humor ist, wenn man über sich selbst lachen kann, wenn man das Leben nicht so ernst nimmt, wenn man eigene Missgeschicke mit einem Schulterzucken hinnehmen kann.

Humor ist nicht, sich über Ausländer, Behinderte oder unsichere Frauen lustig zu machen.
Humor ist nicht, nach unten zu treten.
Humor ist nicht, sich verachtend über andere zu äußern und gleichzeitig zu postulieren, dass es umgekehrt unangebracht und verletzend wäre.
Humor ist nicht, sich im einen Artikel über die Frau lustig zu machen, die ihr in einem anderen Artikel anleitet, vor einem Mann zu knien.

Augenzwinkern geht für mich dann, wenn ich weiß, mein Gegenüber ist mindestens auf Augenhöhe.
In einem Beitrag, der aber zu 90% die Unsicherheit von Frauen im Bereich Sexualität zum Thema hat, spüre ich das Bedürfnis nach einem Zwinkern lediglich beim Gedanken an Sperma im Auge: es tut weh.

Andererseits war es vermutlich meine eigene Schuld – ich hätte ja einfach die Augen schließen können.

9 Kommentare zu „10 Dinge, die Frauen in einem Sex-Ratgeber NICHT lesen wollen

Gib deinen ab

  1. Danke für diesen Beitrag! Er spricht alles an, das mir beim Lesen des Artikels sauer aufgestoßen ist. Es wäre alles anders, wenn man ihn tatsächlich „mit einem Augenzwinkern” lesen könnte, aber dafür ist er an vielen Stellen dann einfach wieder „zu ernst”. Wenn man sowas macht, dann sollte man die Übertreibungen schon konsequent durchziehen und nicht vor Sachen halt machen, die man(n) selbst als das einzig Wahre beim Sex ansieht. Ich kenne nämlich Männer, die so einigen Punkten im Artikel hart widersprechen würden, weil sie beispielsweise keine Blowjobs mögen (Schock schwere Not, ja sowas gibt es).

    Dieser Kommentar wurde mit einem Augenrollen geschrieben, denn so habe ich den Artikel gelesen. Nach Zwinkern war mir irgendwie nicht zumute.

    Gefällt 1 Person

  2. Ich habe beide Artikel – also den im Joyclub und deine Reaktion darauf – nur quer gelesen, um mir Zeit und vor allem Nerven zu sparen. Deine Reaktion ist wundervoll und zugleich macht es mich traurig, dass sie erforderlich ist. Der Artikel im Joyclub ist weder witzig noch hilfreich. Er ist respektlos und dumm und wird niemandem gerecht – weder Frauen noch Männern.

    Gefällt 2 Personen

  3. Deine Reaktion ist wundervoll und zugleich macht es mich traurig, dass sie erforderlich ist. Der Artikel im Joyclub ist weder witzig noch hilfreich. Er ist respektlos und dumm und wird niemandem gerecht – weder Frauen noch Männern.

    Gefällt 2 Personen

  4. Ich konnte den kritisierten Artikel (leider?) nicht mehr lesen, aber was ich aus Deiner Antwort extrapoliere, läßt mich erschaudern. Da möchte ich mich fast wieder mal schämen, ein Mann zu sein.

    Danke, dass Du Dir die Mühe zu dieser eloquenten Antwort gemacht hast. Und toll, dass mittlerweile auch als Reaktion der entsprechende „Ratgeber“ entfernt wurde!

    Gefällt 1 Person

Schreibe eine Antwort zu nisechen Antwort abbrechen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Bloggen auf WordPress.com.

Nach oben ↑

%d Bloggern gefällt das: